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Forschungsstelle: Archäologie und Kultur Ostasiens

Deutsch-chinesisches Fachwörterbuch zur Archäologie

Handelsübliche, allgemeine chinesisch-deutsche Wörterbücher existieren zwar, nicht aber solche für die zahllosen Fachbegriffe. Eine mechanische Übersetzung ohne Kompetenz in der Fachsprache geht jedoch fehl:

Was wäre etwa zu verstehen unter „花土 hua tu, wörtlich: geblümte Erde“? Verfügte man in China etwa schon vor der Domestikation von Haustieren und von Getreide über „耜 si, Pflugscharen“? Haben die antiken Chinesen ihre Pferde etwa mit „绊马索 banmasuo, Stolperdraht“ malträtiert?

Tatsächlich handelt es sich bei „花土 hua tu“ um umgelagerte Erde: Das heißt, es handelt sich nicht um unberührten Boden, sondern um das Resultat einer menschlichen Aktivität, zum Beispiel des Verfüllens einer Grube mit Aushub oder anderer Erde. Wird ein Fund aus „hua tu“ geborgen, bedeutet das: Er ist erst während des Zuschüttens z.B. einer Grube mit der Verfüllungserde dorthinein geraten. Er kann also ursprünglich an der Erdoberfläche gelegen haben und gar nicht zur Grube, die auch ein Grab sein kann, gehören. Das ist für das Datieren von Funden, die bei Ausgrabungen aus Erdschichten geborgen werden, von großer Bedeutung.

Das Zeichen „耜 si“ kann zwar Pflugscharen bezeichnen oder auch „ein spatenähnliches Ackerbaugerät im alten China“. Im archäologischen Zusammenhang der chinesischen Steinzeit wird der Begriff aber für Steingeräte verwendet, die schon Jahrtausende vor dem Erscheinen von Pflugscharen in Gebrauch waren. Dies bedeutet einen enormen Unterschied in der Geschichte der Entwicklung der Nahrungsproduktion.

Und mit „绊马索 banmasuo“ ist im archäologischen Zusammenhang nicht etwa ein Stolperdraht gemeint, sondern eine Pferdefessel aus Holz und Leder oder Strohseilen, die verhindert, dass Pferde in der Steppe entlaufen.