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Forschungsstelle: Frühgeschichte

Kolloquium der Arbeitsgemeinschaft Frühgeschichtliche Archäologie des Mannheimer Altertumsvereins und des Fördererkreises Archäologie in Baden

Programm des 106. Kolloquiums am 3. März 2016

14 Uhr: Das frühmittelalterliche Aschheim: Die Entwicklung eines Ortes im Spiegel von Siedlungs- und Grabfunden

Anja Pütz, M.A., München, und Dr. Doris Gutsmiedl-Schümann, Bonn

Aus Aschheim bei München liegen mit den Gräberfeldern Aschheim-Bajuwarenring und am Wasserturm sowie mehreren Separatgrablegen, der frühen Holzkirche und inzwischen großflächig ergrabenen Siedlungsstrukturen gute Vorraus-setzungen vor, die Entwicklung eines frühmittel-alterlichen Ortes nachzuvollziehen. Mit der Vorstellung der Befunde sowie deren Einordnung in den Entwicklungskontext möchten die Referentinnen der möglichen Bedeutung des als villa publica genannten früh-mittelalterlichen Aschheim nachgehen.

15.30 Uhr: Die merowingerzeitliche Siedlung von Bonn-Bechlinghoven

Ivonne Weiler-Rahnfeld, M.A., Bonn

Der merowingerzeitliche Siedlungsplatz Bonn-Bechlinghoven ist anhand des Keramikmaterials in das letzte Drittel des 5. Jahrhunderts bis um die Mitte des 8. Jahrhunderts zu datieren, wobei sich eine Kontinuität bis in die Karolingerzeit abzeichnet. Im Vortrag wird sowohl auf die Siedlungsstruktur und die Siedlungsphasen eingegangen als auch auf den Versuch der Verfasserin, eine Siedlungschronologie für das Rheinland zu erstellen.

16.30 Uhr: Häufig im Grab - selten in der Grube? Glasfunde in Siedlungskontexten

Dr. Uwe Gross, Esslingen

Frühmittelalterliche Gräber entlang des Rheins erbrachten – und erbringen noch immer – große Quantitäten an Glasgefäßen. Der Beitrag untersucht, ausgehend von der Situation im Rhein-Neckar-Raum, ob ähnliche Verhältnisse wie in den Friedhöfen auch in den merowingerzeitlichen Siedlungen herrschten.

17 Uhr, Fränkischer Landesausbau in Hessen und die Kirche des Heiligen Martin zu Leun (Lahn-Dill-Kreis)

Prof. Dr. Felix Teichner und Robin Dürr B.A., Marburg

Wenige Kilometer westlich des mittelhessischen Wetzlar, an einem seicht zur Lahn abfallenden Hang, nahe der Stadt Leun wurden seit den 1970er Jahren immer wieder Lesefunde gemacht. Dass es sich nicht nur um die archäologischen Reste einer Dorfwüstung handelt, zeigt der hohe Anteil menschlicher Knochen unter den Lesefunden, auffällige Anomalien im Getreidebewuchs sowie der Flurname „An der Martinskirch“. Seit 2014 wurde dieser für den Lahn-Dill-Kreis einzigartige Fundplatz mittels systematischer geophysikalischer Prospektionen in Kombination mit Luftbildbefliegungen durch das Geoarchäologische Labor untersucht. Die Ergebnisse konnten 2015 durch erste diagnostische Sondagen im Rahmen einer Lehrgrabung des Vorgeschichtlichen Seminars der Philipps Universität Marburg überprüft werden.

19 Uhr, Die Krieger von Sandhofen (Geroldisheim?)

Dr. Ursula Koch, Mannheim

Öffentlicher Abendvortrag im Museum Weltkulturen D5, Anna-Reiß-Saal

In der Ausstellung „Wilde Völker an Rhein und Neckar – Franken im frühen Mittelalter“ ist eine ganze Reihe von Exponaten zu finden, die auf der Gemarkung Sandhofen gefunden wurden. Ganz besonders fällt die große Adlerfibel jedem Besucher auf, vielleicht auch die Veteranen, die eine Schädelverletzung überlebten. Auf die vielen Besonderheiten der kleinen Gemeinschaft, die im 6. und 7. Jahrhundert auf einem Hof (Geroldisheim?) nördlich von Sandhofen lebte, will der Vortrag hinweisen. Denn diese unterschied sich erheblich von den Bevölkerungen der anderen frühmittelalterlichen Siedlungen rund um Mannheim, die uns durch die Gräber von Straßenheim Aue, vom Elkersberg in Vogelstang oder vom Hermsheimer Bösfeld bekannt sind.