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Forschungsstelle: Steinzeit

Der älteste Bogen der Welt?

Bei geologischen Untersuchungen in Mannheim-Vogelstang ist ein Fragment aus Kiefernholz entdeckt worden – der vermutlich älteste Bogen der Welt. Es stammt aus dem frühen Magdalénien (vor etwa 17.600 Jahren) und zeigt Spuren der Veränderung, die möglicherweise auf einen Bogen hinweisen. Dass eine Seite des Fragments eine geglättete Oberfläche, gegenüber einer unveränderten zeigt, sowie die Korrektur einer Abweichung an einer Seite und eine Kerbe, in der eine Schnur hätte befestigt sein können, bestätigen die Vermutung, dass es sich um einen Bogen handeln könnte, auch wenn das untere Ende so stark beschädigt ist, dass sich keine Spuren der Bearbeitung oder des Brechens erhalten haben. Eine Rekonstruktion des Stücks zeigt, dass der Bogen nicht länger gewesen sein kann als etwa 110 cm. Das scheint klein, ist aber eine Größe, die für einige ethnische Gruppen dokumentiert ist – auch bei Bögen für Kinder. Seine Leistung beträgt etwa 25 – 30 englische Pfund.

Zur zeitlichen Einordnung lässt sich sagen, dass die ältesten direkten Spuren des Gebrauchs von Bögen die Bögen von Stellmoor (12680 - 11590 cal BP) und von Holmegard (8000 cal BP) sind. Die Verwendung des Bogens schon im frühen Jungpaläolithikum wird schon seit langem postuliert.

Die Untersuchung, aber vor allem die Fachdiskussion um den Fund aus Vogelstang bildet einen wichtigen Schwerpunkt innerhalb der Forschungsstelle „Steinzeit“. Der älteste Bogen wurde auf der Fachtagung über Bogen und Speerschleuder im April 2004 in Ramioul (Belgien), auf der WSVA-Tagung in Xanten im Juni 2006 sowie auf der Tagung Holzkultur 2006 in Oldenburg der Fachwelt präsentiert. Experimentalarchäologische Untersuchungen wurden von Rudolf Walter M.A., die Holzuntersuchungen wurden von Werner Schoch (Labor für Quartäre Hölzer, Langnau, Schweiz) durchgeführt. Jürgen Junkmanns (Köln) und Christian Schürmann (Oerlinghausen) haben den Fund begutachtet.