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| Carolyn Stritzelberger und Kristin Mues

125 Jahre Röntgenstrahlen

Eine bahnbrechende Entdeckung feiert ihren 125. Geburtstag: die Röntgenstrahlen. Am 8. November 1895 kam Wilhelm Conrad Röntgen dem Geheimnis auf die Spur, wie man Unsichtbares sichtbar machen kann. Aber wer ist der kluge Kopf hinter den Strahlen und wo kommen sie zum Einsatz?

Faszination Röntgen – auch 125 Jahre nach ihrer Entdeckung laden die Röntgenstrahlen zum Experimentieren und Entdecken ein. © rem, Foto: Maria Schumann

Wilhelm Conrad Röntgen – ruhmreich und zurückhaltend!

Scheu, lieber für sich und hinter verschlossener Tür tüftelnd – die Rede ist nicht etwa von einem Teenie  mitten in der Pubertät, sondern von einem Mann, der die Welt nachhaltig veränderte: Vor 125 Jahren, am 8. November 1895, entdeckte Wilhelm Conrad Röntgen per Zufall die nach ihm benannten Strahlen, als er mit Kathodenstrahlung experimentierte und ihm leuchtende Kristalle auf seinem Labortisch auffielen.

Mit seiner Entdeckung geriet er nicht nur in den Fokus der Wissenschaft, sondern wurde schlagartig weltberühmt. Dabei war dem damals 50 Jahre alten Physiker der plötzliche Rummel um seine Person sehr unangenehm. So sehr, dass er – obwohl selbst der Preisträger des ersten Nobelpreises für Physik 1901 – die Einladung nach Stockholm zur Verleihung zwar annahm, aber keinen öffentlichen Vortrag hielt. Ebenso wenig wollte er Kapital aus seiner Entdeckung schlagen und lehnte die Patentierung wie auch ein Adelsprädikat ab. Hierin liegt vielleicht sogar sein größter Verdienst – nach nur wenigen Wochen der Forschung erkannte er, wie bahnbrechend seine Entdeckung für die Menschheit sein kann. Er präsentiere am 12. Januar 1896 seine X-Strahlen vor Kaiser Wilhelm II. und stellte sie der Welt ganz uneigennützig zur Verfügung.

Röntgen in der Medizin – und zum Vergnügen?

Der medizinische Nutzen der neuentdeckten Strahlung war augenscheinlich und wurde innerhalb weniger Jahre zum Standardverfahren in der Diagnostik. Doch die Röntgenstrahlen kamen in den frühen Jahren nicht nur in medizinischen Einrichtungen zum Einsatz, sondern auch an für heute eher ungewöhnlich anmutenden Orten. Ob die neuen Schuhe wirklich gut passten, konnte das Pedoskop im Schuhgeschäft zeigen: Einfach Schuhspitzen unter die Röntgenröhre platzieren, schon wusste man, wo der Schuh drückt. Oder man warf für ein paar Groschen auf dem Jahrmarkt einen Blick in sein eigenes Inneres. Die Gefahr, die von der Strahlung ausging, war zu diesem Zeitpunkt noch gänzlich unbekannt.

Heute weiß man um die möglichen Schäden, die von der Strahlung hervorgerufen werden und schützt sich entsprechend gut. Schon lange werden schwangere Frauen der Röntgenstrahlung nur noch im äußersten Notfall ausgesetzt und mit Bleiwesten werden innere Organe abgeschirmt und somit vor der Strahlung geschützt.

Röntgenstrahlung in verschiedenen Lebensbereichen

Nicht nur in der Medizin veränderte die Röntgenstrahlung die Geschichte der Welt. Wir begegnen den berühmten Strahlen beinahe täglich. So werden in Deutschland jährlich über 120 Millionen Passagierinnen und Passagiere durch Sicherheitsschleusen an Flughäfen geführt und ihre Koffer ganz selbstverständlich mit Röntgenstrahlen durchleuchtet.

Auch in der Weltraumforschung sind die X-Strahlen nicht mehr wegzudenken, beispielsweise bei der Erforschung schwarzer Löcher. Und auch Kunst- und Kulturfreunde sind bestimmt schon dem ein oder anderen Objekt begegnet, das bereits durchleuchtet wurde. Gemälde können mithilfe der Strahlung genauer untersucht und auf ihre Echtheit begutachtet werden und auch in der Mumienforschung können durch Röntgen Geheimnisse alter Kulturen gelüftet werden, ohne die Mumien zu zerstören.

Ob Wilhelm Conrad Röntgen bereits geahnt hat, dass er gerade eine der wichtigsten Errungenschaften moderner Medizin und Forschung entdeckt, als ihm leuchtende Kristalle auffielen? – Wahrscheinlich nicht! Aber das ist ja das Schöne am Experimentieren und Forschen, man weiß nie genau, welche Geheimnisse gelüftet werden können. Daher ist unser Rat an alle: bleiben Sie neugierig und wissbegierig, experimentieren und beobachten Sie, gerne auch mit Ihrer Familie und wer weiß, vielleicht trägt die nächste große Errungenschaft ja Ihren Nachnamen.

Autorinnen: Carolyn Stritzelberger und Kristin Mues haben die Naturwissenschaften erst kürzlich für sich entdeckt. Als Historikerin und Museumspädagogin ergeben sie gemeinsam mit der Physikerin Kerstin Schäfer ein strahlendes Team, welches für alle Aufgaben des X-perimente-Projekts bestens gewappnet ist. Das Projekt will Kinder und Jugendliche für Naturwissenschaften begeistern und bietet spannende Experimente rund um Röntgen, UV-Licht, Ultraschall & Co. Alle Infos rund um das Projekt finden Sie unter: www.x-perimente.de

Neugierig geworden?

Zum Röntgen-Jubiläum haben wir spezielle Online-Angebote für Kinder und Familien entwickelt. Audio-Podcast, Film und Gewinnspiel machen Lust, in die Welt des Unsichtbaren einzutauchen.

Wenn Sie Lust bekommen haben, mehr über den Mann hinter den X-Strahlen oder über seine große Entdeckung zu erfahren, legen wir Ihnen diese zwei Werke ans Herz:

Im Reiseführer "Wilhelm Conrad Röntgen – den X-Strahlen auf der Spur können Sie 50 Orte in Deutschland und den Nachbarländern entdecken, die mit Röntgens Geschichte und seinem Wirken in Verbindung stehen. Die Möglichkeiten moderner Röntgentechnik inklusive einzigartiger Bilder können Sie in "Die Welt im Durchblick: Wunder moderner Röntgentechnik" nachlesen.

  • BUSCH, U. & ROSENDAHL, W. (Hrsg.)(2019): Die Welt im Durchblick. Wunder moderner Röntgentechnik.- 160 S.; Theiss Verklag, Darmstadt. Preis 40,00 Euro, ISBN 978-3806239959
  • BUSCH, U. & ROSENDAHL, W. (2020): Wilhelm Conrad Röntgen – den X-Strahlen auf der Spur. 50 Stätten zur Entdeckung, Geschichte, Anwendung der Röntgenstrahlen in Deutschland und Nachbarländern.- 136 S., NA-Verlag
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