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| Andreas Krock

Die Heilige Familie

Pünktlich zu Weihnachten nehmen wir ein besonderes Gemälde aus den rem-Sammlungen in den Blick. Das Bild „Die Heilige Familie“ wurde um 1720 von einem grandiosen Maler des Rokoko geschaffen – Giovanni Antonio Pellegrini, der auf seinen Reisen auch in Mannheim Station machte.

Giovanni Antonio Pellegrini: Die Heilige Familie, um 1720 © rem, Foto: Jean Christen

Im Zentrum des Bildes steht Maria mit dem Jesuskind. Die Gottesmutter trägt ein rotes Untergewand sowie einen blauen Mantel. Beide Kleidungsstücke sind für Mariendarstellungen charakteristisch. Ihr schmales, feines Gesicht mit dem in der Mitte gescheitelten Haar wird von einem Schleier eingefasst, der nach vorn über ihr Gewand fällt. Ganz im Gegensatz zu ihrer statuarischen Haltung und dem nach innen gekehrten Blick steht die lebhafte Gebärde des Jesuskindes, das sie mit beiden Händen umfasst. Es hat seinen linken Arm mit ausgestreckter Hand weit nach oben gereckt und blickt den Betrachter unverwandt an, wie um ihn freudig zu begrüßen. Josef, der hier als Nebenfigur erscheint und vom linken Bildrand angeschnitten wird, verfolgt die vertraute Szene zwischen Mutter und Kind mit sichtlicher Zufriedenheit. Rechts hinter der Gruppe öffnet sich der Blick in eine weite, bergige Landschaft. Sie wird auf der linken Seite durch einen rotbraunen Vorhang verdeckt, der der gesamten Darstellung einen hoheitsvollen Charakter verleiht.

Giovanni Antonio Pellegrini – begehrter Meister des Rokoko

Obwohl das Gemälde nicht signiert ist, ist es mit großer Wahrscheinlichkeit der Hand Giovanni Antonio Pellegrinis (1675–1741) zuzuordnen. Darauf deutet auch ein sehr ähnliches Bild in Privatbesitz in Padua hin, das sich ehemals in der Sammlung Foresti in Rom befand. In flüssigem Pinselstrich und zarten Farben sind die Figuren mitunter fast skizzenartig modelliert. Damit entsprechen sie den leicht und duftig wirkenden Deckenmalereien des venezianischen Rokoko, das schließlich mit Giovanni Battista Tiepolo (1696–1770) seinen Höhepunkt fand. Die anmutige Komposition der Figuren, die grazil und fast ätherisch erscheinen, unterstützt diese charakteristische Wirkung, die sich seinerzeit größter Beliebtheit erfreute und Pellegrini zu einem der begehrtesten Maler an den europäischen Fürstenhöfen wie London, Paris, Prag, Dresden und Wien werden ließ.

Herzliches Willkommen in Mannheim

Auf seiner Rückreise von London nach Venedig hatte der Maler 1713 bereits für Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz (1658–1716) in Düsseldorf einen Großauftrag ausgeführt, bevor er 1736 für dessen jüngeren Bruder und Nachfolger Karl Philipp (1661–1742) in Mannheim vier Deckengemälde für das neu erbaute Schloss schuf. Aus einem Brief Pellegrinis an seine Schwägerin und ebenfalls sehr erfolgreiche Malerin Rosalba Carriera (1675–1757) vom 23. Oktober 1736 geht hervor, dass er kurz vor diesem Datum in Begleitung seiner Frau in Mannheim eintraf. In diesem Brief heißt es, dass die Begrüßung durch das Kurfürstenpaar herzlich gewesen sei. Der Vertrag für die vier Deckengemälde des Mannheimer Schlosses wurde allerdings erst über einen Monat später abgeschlossen. Leider sind diese Arbeiten – die letzten großen Dekorationen seines Schaffens, bevor er 1739 wieder nach Venedig zurückkehrte, wo er 1741 mit 67 Jahren starb – wie viele seiner Werke im Zweiten Weltkrieg zerstört worden.

Darüber hinaus führte Pellegrini während seines Mannheimer Aufenthaltes aber auch Arbeiten in der Umgebung aus. Auch sie sind zum größten Teil den Kriegsereignissen zum Opfer gefallen. Um so erfreulicher ist es daher, dass es von diesem grandiosen Rokokomaler in unmittelbarer Nähe – in der Hauskapelle des Hallberger Schlosses bei Ludwigshafen – mit dem Altarbild „Die Heiligen Familie und die Stammväter Christi“ ein weiteres Gemälde mit vergleichbarem Sujet zu bewundern gibt.

Autor: Kunsthistoriker Andreas Krock betreut als Sammlungsleiter die Gemälde, Grafiken und Skulpturen der rem. Mit Pellegrinis Bild verbindet er eine hilfreiche Anekdote. Bei einem Besuch von Pierre Rosenberg, früherer Direktor des Pariser Louvre und Mitglied der Académie francaise, fiel dessen Blick auf „Die Heilige Familie“. Als Kenner italienischer Barockmalerei war er sofort begeistert und berichtete von einem vergleichbaren Gemälde in Privatbesitz. Damit bestätigte sich nochmals die Vermutung, das unsignierte Gemälde stamme von dem venezianischen Meister.     

Neugierig geworden?

Das Werk "Die Heilige Familie" ist in der Ausstellung Glaubensschätze im Museum Zeughaus zu sehen. Dort gibt es sakrale Kostbarkeiten von der Romanik bis zum Barock zu bestaunen, darunter auch wunderbare Mariendarstellungen.

Einen Vorgeschmack auf die Ausstellung bietet eine Video-Führung.

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