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| Cornelia Rebholz

Ein Kurfürst kehrt heim

Am 17. Januar jährt sich der Geburtstag von Kurfürstin Elisabeth Auguste zum 300. Mal. Pünktlich zu diesem Ehrentag kommt es in Mannheim zu einem besonderen Treffen: Zum repräsentativen Gemälde der Kurfürstin, das sich in den Reiss-Engelhorn-Museen befindet, gesellt sich das Pendant ihres Gatten Carl Theodors. Dank einer Dauerleihgabe des Kurpfälzischen Museums Heidelberg sind die beiden Porträts nach jahrzehntelanger Trennung nun endlich wieder vereint.

Mit mehr als 70 kg ist das Porträt von Carl Theodor samt Prunkrahmen kein Leichtgewicht. Da sind bei der Montage Kraft und Fingerspitzengefühl gleichermaßen gefragt. © rem, Foto: Rebecca Kind

Ab sofort thront das Kurfürstenpaar gemeinsam im Museum Zeughaus. Die beiden Herrscherporträts mit einer stattlichen Höhe von mehr als 330 cm flankieren im Florian-Waldeck-Saal einander zugewandt die Bühne – links Carl Theodor, rechts Elisabeth Auguste. Wenn die Corona-Pandemie wieder Veranstaltungen zulässt, kommen Besucherinnen und Besucher in den Genuss, Vorträge oder Konzerte unter den wachsamen Augen des Paares zu erleben.

wieder vereint

Wann und wieso die beiden Porträts getrennt wurden, ist nicht bekannt. 1937 waren beide noch im Bestand des Mannheimer Schlossmuseums verzeichnet. Nach dem Krieg gelangte Elisabeth Auguste in die heutigen Reiss-Engelhorn-Museen und Carl Theodor war lange Jahre auf dem Heidelberger Schloss ausgestellt. Seit Anfang der 1990er Jahre „schlummerte“ er – auch bedingt durch seinen schlechten Erhaltungszustand – in den Depots des Kurpfälzischen Museums Heidelberg. Dort wurde er vor seiner Reise nach Mannheim drei Monate lang restauriert und präsentiert sich jetzt in neuem Glanze.

Gemalt wurden die Werke von Heinrich Carl Brandt (1724–1787), dem Kabinettporträtmaler am Kurfürstenhof. Anlass war wohl die offizielle Gründung der Mannheimer Zeichnungsakademie im Jahr 1769. Bei dem Schriftstück mit einer Passage aus Ovids „Metamorphosen“, das Carl Theodor auf dem Gemälde in seiner linken Hand hält und das mit zwei Siegelkapseln versehen ist, handelt es sich wahrscheinlich um die Gründungsurkunde.

Darstellung des Kurfürstenpaares

Carl Theodor (1724–1799) ist als Regent im Purpurmantel mit Hermelin dargestellt. Um seinen Hals trägt er die Kette des Hubertusordens, des kurfürstlich-pfälzischen Hausordens, dessen Großmeister er war. Er sitzt unter einem Baldachin mit Vorhangdraperie als Zeichen seines fürstlichen Standes. Vor ihm auf dem Tisch befindet sich ein Kissen mit Kurhut und zu seinen Füßen der pfälzische Löwe, stellvertretend für seine Kurwürde. Auch Elisabeth Auguste (1721–1794) ist mit Kurhut, Zepter sowie einem Löwen zu ihren Füßen abgebildet. Neben diesen Herrscherattributen wird die Kurfürstin mit einem Füllhorn gezeigt, aus dem sie Goldmünzen schüttet. Sie verkörpert die Tugend der Hochherzigkeit und Freigebigkeit.

Tatsächlich war die Regentschaft des Kurfürstenpaares eine Blütezeit für Mannheim und die Kurpfalz. Ihr Hof wurde zu einem der führenden kulturellen Zentren Europas. Bis heute zeugen die Sammlungen der Reiss-Engelhorn-Museen von ihrer Begeisterung für Kunst und Wissenschaft.

meist getrennte Wege

Ob sich Elisabeth Auguste wohl über die „Familienzusammenführung“ gefreut hätte? Wahrscheinlich wäre ihr ganz recht gewesen, dass die Porträts nicht direkt nebeneinander, sondern – durch die Bühne im Florian-Waldeck-Saal getrennt – mit mehreren Metern Abstand präsentiert werden. Auch im Leben ging das Paar oft getrennte Wege.

Elisabeth Auguste war die älteste Enkelin von Kurfürst Karl Philipp (1661–1742). 1742 heiratete sie in einer prunkvollen Hochzeit in Mannheim ihren Vetter Carl Theodor von Pfalz-Sulzbach. Noch im selben Jahr übernahmen sie nach dem Tod des Großvaters die Regentschaft. Die Ehe verlief nicht glücklich und blieb nach dem Tod des lange ersehnten Stammhalters kurz nach dessen Geburt kinderlos. Das Kurfürstenpaar entfremdete sich zunehmend. Ab 1768 zog sich Elisabeth Auguste immer öfter nach Schloss Oggersheim zurück. Hier blieb sie auch, als Carl Theodor 1778 zum Regierungsantritt nach München übersiedelte. Erst 1793, als die französischen Revolutionstruppen bis an den Rhein vorrückten, floh sie zunächst nach Mannheim und von dort weiter nach Weinheim, wo sie bis zu ihrem Tod lebte.

Autorin: Kulturwissenschaftlerin Cornelia Rebholz mag an ihrer Arbeit besonders den Blick hinter die Kulissen des Museums, z.B. wenn kostbare Leihgaben eintreffen oder ein gewichtiges Kurfürsten-Porträt an die Wand kommt.

Neugierig geworden?

Reisen Sie in den Barock und schwelgen Sie im Prunk des Mannheimer Hofes: In der Ausstellung Kunst für Kurfürsten erwarten Sie neben üppigen Stillleben und Meisterwerken aus Gold, Schildpatt und Elfenbein auch weitere eindrucksvolle Herrscherporträts.

Ein Video gibt Ihnen einen spannenden Einblick in Restaurierung und Transport des Carl-Theodor-Porträts.

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