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| Dr. Mathilde Grünewald

Römerzeit in Mannheim

Mannheim ist zwar keine Römerstadt, aber die Begeisterung für die Antike hat hier eine lange Tradition. Die rem-Sammlungen laden zu einer faszinierenden Zeitreise ein – inklusive eines Besuchs in einer prächtigen Villa rustica.

Fühlen wie in der Villa rustica bei Oftersheim – Inszenierung im Ausstellungsbereich "Ein Hauch von Rom" © rem, Foto: Lina Kaluza

Schon Carl Theodor ließ seine 1763 gegründete Akademie der Wissenschaften „Römersteine“ sammeln und aus Mainz Grabsteine von Legionären und Hilfstruppensoldaten kaufen. Außerdem hatten die kurpfälzischen Untertanen alle alten Funde abzuliefern. Auch Ausgrabungen ließ der Kurfürst unternehmen, das setzte dann der Mannheimer Altertumsverein fort und schließlich die Archäologische Bodendenkmalpflege an den rem.

Eine Villa auf dem Land

Das Land zwischen Rhein und Odenwald wurde ungefähr um 100 n. Chr. für das römische Wirtschaftssystem erschlossen. Bauernhöfe wurden angelegt, um die Soldaten in den Kastellen am Odenwaldlimes und Städte wie die neue Stadt Ladenburg zu versorgen. Ein solcher Bauernhof wird Villa rustica genannt. Er bestand nicht nur aus den Wirtschaftsgebäuden wie Scheune, Ställe, Häuser für die Arbeiter und Arbeiterinnen sowie Hausgarten. Auch ein manchmal großzügiges Wohnhaus mit Badetrakt für den Besitzer gehörte dazu.

Bei Oftersheim wurde 1964/65 ein solches herrschaftliches Wohnhaus teilweise ausgegraben. Die zahlreichen Bruchstücke der Wände, die mit schönen Wandmalereien verziert waren, konnten für die neue Ausstellung im Museum Weltkulturen wie in einem Puzzle zusammengesetzt werden. Zwei Wände hat Renate Berghaus nachgemalt. Wenn sich die Besucher auf einem eigens für sie angefertigten Ruhebett niederlassen, können sie sich fühlen wie vor 1900 Jahren. Damals hat vielleicht ein Stadtrat (decurio) von Speyer oder Ladenburg die Aussicht auf die eiszeitlichen Dünen von Oftersheim genossen.

Autorin: Dr. Mathilde Grünewald war von 1980 bis 2012 Direktorin des Museums der Stadt Worms im Andreasstift. Seit ihrer Pensionierung arbeitet sie gerne für die rem und hat die Abteilung Römische Funde im Museum Weltkulturen eingerichtet.

Neugierig geworden?

Ein Hauch von Rom erwartet Sie in der Ausstellung "Versunkene Geschichte" im Museum Weltkulturen. Dort können Sie u.a. die Fresken aus der Villa rustica bewundern.

Erfahren Sie mehr über die Archäologische Denkmalpflege an den rem.

Lesetipps:

  • M. Grünewald: Ein Hauch von Rom. Schätze aus den Mannheimer Sammlungen. Regensburg 2016, erhältlich an der Museumskasse.
  • M. Grünewald: Mehr als ein Hauch von Rom, Mannheimer Geschichtsblätter 31/2016
  • M. Grünewald: Ein römisches Wohnhaus mit Wandmalereien in Oftersheim, Regensburg 2017
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