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| Dr. Mathilde Grünewald

Schätze in Rhein und Neckar

Die Flüsse Rhein und Neckar bergen zahlreiche Schätze. Mannheimer Flussfunde reichen bis in die Römerzeit zurück und erzählen spannende Geschichten. Eine Auswahl gibt es im Museum Weltkulturen zu bestaunen.

Blick in die Ausstellung "Versunkene Geschichte": Die „Flussfundvitrine“ erhielt von Rudi Walter (urgeschichte hautnah) eine Unterwasseranmutung, Renate Berghaus setzte diese für die umgebende Wand malerisch fort. © rem, Foto: Lina Kaluza

Nicht der Nibelungenschatz glitzerte hier in den Fluten, sondern ebenso goldfarben leuchtende Schüsseln, Kessel und andere Geräte. Grünspan, Rost und Patina setzten die Gefäße erst über die Jahrhunderte an, und wenn sie tief im Strom unter Luftabschluss lagerten, behielten sie auch ihren alten Glanz.

Um die Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr. wurden von den Limeskastellen, deren Soldaten den Zugang aus dem und in das „Freie Germanien“ kontrollierten, zahlreiche Truppen abgezogen. Sie wurden für die Feldzüge im Nahen Osten – immer schon ein Krisengebiet – benötigt. Das sprach sich herum, und in den Jahren 259/260 n. Chr. brachen Hunderte, wenn nicht Tausende Germanen blitzartig über die Grenze in das römische Reichsgebiet ein, schafften es bis tief ins heutige Frankreich, überfielen ländliche Siedlungen, Bauernhöfe und Heiligtümer. Sie plünderten Weihegaben aus Silber, Kochgeschirr und Werkzeug aus Eisen, bronzenes Tischgeschirr wie Weinkannen und Kasserollen, rissen eiserne Türbeschläge ab – kurz, sie stahlen alle Gegenstände aus Material, die im rohstoffarmen Germanien nicht leicht zu haben waren. Wahrscheinlich nahmen sie den Bauern auch Essensvorräte weg, auch Menschen wurden verschleppt, die gegen Lösegeld freigelassen oder als Sklaven verkauft werden sollten.

Wie gewonnen, so verloren

Am Rhein erwarteten schnelle Eingreiftruppen der Römer die Räuber mit ihren schwer beladenen Wagen. Die Germanen wollten ja die Beute nach Hause bringen und mussten die Flüsse überqueren. Dabei sanken entweder bei Auseinandersetzungen oder durch Missgeschicke beim Navigieren ganze Wagenladungen (wie in Hagenbach, Neupotz u. a.).

Auch einzelne Teile fielen über Bord oder von einem Floß. Beim Bau der Kurt-Schumacher-Brücke kamen ein Östlandeimer aus Bronze mit Eisenhenkel, eine flache Schale (Fachausdruck dafür ist Becken) mit einem Omegahenkel und ein Bronzeteller ans Licht, als die Pylonenkästen errichtet wurden. Vom Maimarktgelände stammt ein Östlandeimer, aus der Kiesgrube Volz in Seckenheim ein weiterer, und vom Stollenwörthweiher in Neckarau eine eiserne Axt. Und sicher liegt noch mehr im Boden! Diese Funde könnten mit solchen mehr oder weniger geglückten Flussübergängen räuberischer Germanen um 259/260 auf dem Rückweg von Gallien in ihre Heimat in Mitteldeutschland zu verbinden sein.

Autorin: Dr. Mathilde Grünewald war von 1980 bis 2012 Direktorin des Museums der Stadt Worms im Andreasstift. Seit ihrer Pensionierung arbeitet sie gerne für die rem und hat die Abteilung Römische Funde im Museum Weltkulturen eingerichtet.

Neugierig geworden?

Ausgewählte Flussfunde können Sie in der Ausstellung Versunkene Geschichte im Museum Weltkulturen bewundern.

Erfahren Sie mehr über die Archäologische Denkmalpflege an den rem.

Lesetipps:

  • M. Grünewald: Ein Hauch von Rom. Schätze aus den Mannheimer Sammlungen. Regensburg 2016, erhältlich an der Museumskasse.
  • M. Grünewald: Mehr als ein Hauch von Rom, Mannheimer Geschichtsblätter 31/2016, S. 115-119
  • E. Künzl: Die Alamannenbeute aus dem Rhein bei Neupotz. Plünderungsgut aus dem römischen Gallien, Monogr. Röm-Germ. Zentralmuseum 34, 1-4, Mainz 1993
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