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| Andreas Krock

Winterlandschaft

Wie stehen die Chancen dieses Jahr auf weiße Weihnachten? In Mannheim ist Schnee ein seltenes Gut – nicht so im Gemälde „Winterlandschaft“. Vertiefen Sie sich in das Werk des berühmten niederländischen Malers David II. Teniers.

David II. Teniers: Winterlandschaft, um 1600 © rem, Foto: Jean Christen

David II. Teniers (1610-1690) schuf das Gemälde „Winterlandschaft“ um 1660. Es versinnbildlicht die kalte Jahreszeit auf anrührende Weise. Im Gegensatz zur Darstellung des traditionellen Jahreszeitenzyklus, dem vor allem in der niederländischen Malerei besondere Aufmerksamkeit entgegengebracht wurde, sind zu diesem Bild keine ergänzenden Darstellungen der Jahreszeiten Frühling, Sommer und Herbst bekannt. Es ist also zu vermuten, dass der Winter hier als eigenständiges Bildthema behandelt wurde. Vor allem dessen Kälte und Unwirtlichkeit in einer tief verschneiten Landschaft darzustellen, forderte seit dem ausgehenden 16. Jahrhundert die niederländischen Meister heraus, was Teniers mit diesem Bild eindrucksvoll gelungen ist.

Die eisige Kälte wird an den Figuren im Zentrum des Bildes – wahrscheinlich ein Vater mit seinem Sohn – offensichtlich, die, die Hände in den Taschen vergraben oder die Arme eng vor der Brust verschränkt, sich davor zu schützen versuchen. Zugleich wird die Kälte aber auch durch den gelblichbraunen Farbton des Hauses links, die zarten Blauschattierungen des Himmels und den kräftigroten Wams des Reisigsammlers rechts abgemildert. Auch die rauchenden Schornsteine lassen im Innern der Dorfhäuser wohlige Wärme erahnen. All dies verleiht dem Ganzen wiederum einen friedlichen, harmonischen Eindruck. Mit der Darstellung des Menschen im Einklang mit der Natur und bei seinen alltäglichen Verrichtungen gelang David II. Teniers mit diesem Werk eine besonders geglückte Kombination von Genre und Landschaft.

Restaurierung

Das Bild misst 70 mal 169 cm. Vermutlich war es aufgrund seines breitrechteckigen Formats ursprünglich als „Supraporte“ in Gebrauch – diente also oberhalb von Türen als Wandschmuck. Trotz der Übermalung ist deutlich erkennbar, dass der linke Teil des Bildes einmal abgeschnitten war. Im Zuge einer Restaurierung 1927 ist dieser Teil wieder ergänzt worden. Dabei ist auch ein fehlender circa 10 cm breiter Streifen oben links angestückt worden. Damit vervollständigt sich die zentrale Szene mit einem weiteren Bauernhaus sowie einer Person und einem Hund in kompositorischer Korrespondenz zu den Figuren in der Mitte und am rechten Rand des Gemäldes.

David II. Teniers

David II. Teniers, der eng mit den Familien Bruegel und Rubens verbunden war, ist vielleicht der erfolgreichste Genremaler des 17. Jahrhunderts in den südlichen Niederlanden. Bereits der Vater David I. war ein bekannter und wohlhabender Antwerpener Maler.

Die „Winterlandschaft“ ist bereits David II. Teniers’ Spätwerk zuzurechnen, dessen Beginn mit 1660 anzusetzen ist und ca. 1680 endet. Jener Lebensabschnitt umfasst nochmals für seine künstlerische und gesellschaftliche Einschätzung wichtige Ereignisse, die seine Bedeutung und Reputation für die flämische Barockkunst dokumentieren: 1660 erschien sein „Theatrum Pictorium“ – ein Stichwerk nach 243 Gemälden der italienischen Schule aus der Sammlung des Statthalters der südlichen Niederlande, Erzherzog Leopold Wilhelm von Österreich (1614–1662) – und somit der erste gedruckte Katalog einer Gemäldesammlung. Das nachhaltigste Moment seiner künstlerischen Laufbahn stellt allerdings 1664 die offizielle Einrichtung der Antwerpener Akademie nach den Vorbildern in Paris und Rom dar, die maßgeblich sein Verdienst ist.

Zwischen Adel und bäuerlichem Alltag

Es ist interessant zu beobachten, dass Teniers trotz seiner Stellung als Hofmaler des spanischen Statthalters (seit 1651), in dessen Funktion er die Welt des Adels und aufstrebenden Patriziats in den für die südlichen Niederlande typischen Landschaften festhielt, sich auch der Schilderung des einfachen, bäuerlich-ländlichen Lebens widmete.

Doch bestand in der künstlerischen Bewertung beider Richtungen kein Widerspruch. Sowohl die anmutig eleganten Bilder der flanierenden, wohlhabenden Städter, als auch die stimmungsvoll-derben Szenen des bäuerlichen Alltags erfreuten sich bei einem sowohl aristokratischen wie bürgerlichen Publikum großer Beliebtheit.

Autor: Kunsthistoriker Andreas Krock betreut als Sammlungsleiter die Gemälde, Grafiken und Skulpturen der rem.

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