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Zum Umgang mit kolonialzeitlichen Sammlungen in den Reiss-Engelhorn-Museen

Hinsichtlich des Umgangs mit den kolonialzeitlichen Sammlungen in den Reiss-Engelhorn-Museen orientieren sich diese an der Heidelberger Erklärung, einer Stellungnahme der Ethnologischen Museen vom 6. Mai 2019, die die Reiss-Engelhorn-Museen mit erarbeitet und unterzeichnet haben. Bereits seit einigen Jahren wird an den Reiss-Engelhorn-Museen mit verschiedenen externen Partnern an der Aufbereitung der Entstehungsgeschichte ausgewählter Sammlungskonvolute gearbeitet. Hierzu gehören zum Beispiel die Sammlung Bumiller, in Kooperation mit dem Leibnitz Institut für Europäische Geschichte in Mainz (Dr. Gißibl), und die Sammlung Thorbecke, in Kooperation mit dem Institut für Geschichte der Universität Düsseldorf (Prof. Michels).

Im Rahmen der Bearbeitung der Thorbecke Sammlung wurden – mit einem entsprechenden Schreiben der Reiss-Engelhorn-Museen – über Frau Prof. Michels dem heutigen König von Bana/Kamerun im August 2016 verschiedene Bildreproduktionen von Aquarellen aus der Thorebecke Sammlung übergeben. Darüber und über eine kleine Ausstellung zur Thorbecke Sammlung an der Universität von Dschang wurde sogar in einem kamerunischen Radiosender berichtet. Aufbauend auf diese Kooperation und erste Zusammenarbeit mit politischen und universitären Vertretern in Kamerun wurden 2017 und 2019 beim Bund Fördermittelanträge gestellt, um das Projekt in enger Zusammenarbeit und im gegenseitigen, aktiven Miteinander mit wissenschaftlichen Workshops und Doktoranden aus Kamerun fortzusetzen. Beide Anträge im Gesamtvolumen von über einer Million Euro wurden leider abgelehnt – der letzte im September 2019 vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste mit der schriftlichen Begründung, dass es im engeren Sinne kein Projekt zur Provenienzforschung darstellt.

Als städtischem Museum stehen den Reiss-Engelhorn-Museen keine Sondermittel (Personal und Sachmittel) vom Bund und Land für die Aufbereitung der in der Kolonialzeit entstandenen städtischen Sammlungen zur Verfügung, wie sie Museen in der Trägerschaft von Bund und Land in letzter Zeit erhalten haben und erhalten. Ohne entsprechende Mittel ist es den Reiss-Engelhorn-Museen jedoch nur sehr eingeschränkt möglich, die Sammlungsaufbereitung und -digitalisierung voranzubringen. Auch dies ist nur dank des großen Engagements der wenigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie mit der wichtigen Unterstützung von universitären Kooperationspartnern umsetzbar. Für die wissenschaftliche Betreuung der beiden Bereiche „Kulturen der Welt“ – der rund 40.000 Objekte von fünf Kontinenten umfasst – und „Naturkunde“ stehen den rem insgesamt lediglich 1,5 Stellen zur Verfügung.

Auch das wiederholte Stellen von Drittmittelanträgen ist eine zeitraubende Arbeit und ernüchternd mit jeder Ablehnung. Die Generaldirektion der rem ist sich bewusst, dass mehr getan werden müsste und könnte. Dazu braucht es aber ein klares politisches Bekenntnis und vor allem die Bereitstellung von ausreichenden Sondermitteln für Personal- und Sachausgaben. Schließlich kann man die Vertreter der Herkunftsgesellschaften nicht einladen, ohne die Reise- und Aufenthaltskosten zu übernehmen. Die städtischen kolonialzeitlichen Sammlungen sind ein wichtiger Teil kolonialzeitlicher Stadtgeschichte Mannheims – einem Geschichtsabschnitt, den es jetzt gilt mit allen Beteiligten entsprechend aufzubereiten.