Forum Internationale Photographie – Geschichte

Die Sammlungen

Der Sammlungsbestand des Forums Internationale Photographie basiert auf drei bedeutenden Säulen, die die Zeit von den Anfängen der Fotografiegeschichte bis zur Gegenwart umspannen. Sie werden in regelmäßigen Szenenwechseln der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

 

Historische Reisefotografien

Die Sammlung historischer Fotografien enthält einzigartige Reisebilder und ethnografische Fotografien des 19. Jahrhunderts. Sie wurden größtenteils von den Geschwistern Reiß auf ihren Weltreisen gesammelt und nach Mannheim gebracht. Heute sind sie von unschätzbarem Wert. Aus der Sammlungsgeschichte der Reiss-Engelhorn-Museen resultieren die Sammlungen der Geschwister Carl (1843 - 1914), Anna (1836 - 1915) und Wilhelm (1838 - 1908) Reiß sowie die Fotosammlung von Jakob August Lorent (1813 - 1884).

Fotografien der Geschwister Reiß

Die historische Sammlung der Geschwister Reiß enthält Reisebilder sowie ethnografische Fotografien aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. 4.000 einzigartige Albuminpapierabzüge von Fotografien, die die Familienmitglieder auf ihren Reisen in Indien, Ceylon, China und Japan, den Vereinigten Staaten und in vielen Ländern Europas, in Syrien, dem Libanon, Palästina, Arabien, Ägypten, Tunesien, Kolumbien, Ecuador, Brasilien und in anderen Ländern gesammelt haben.

Fotografien von Jakob Lorent

Zum Bestand der Sammlung Lorent gehören Reisefotografien aus dem ehemaligen Königreich Württemberg, die zwischen 1865 und 1867 entstanden sind. Einzigartige Dokumente sind die 36 Ansichten von Jerusalem, die Lorent 1864 fotografierte.

Der Bestand ethnographischer Aufnahmen aus der völkerkundlichen Abteilung der Reiss-Engelhorn-Museen ergänzen die Sammlungen

Über die Geschwister Reiß

Die Geschwister Carl, Anna und Wilhelm Reiß genossen in Mannheim hohes gesellschaftliches Ansehen. Von ihren Weltreisen Ende des 19. Jahrhunderts brachten die Geschwister Reiß umfangreiche Konvolute an Reisefotografien mit zurück in ihre Heimatstadt, die heute den Grundstock für die historische Reisefotografie-Sammlung des Forums Internationale Photographie der Reiss-Engelhorn-Museen bilden.

 

Das Robert-Häusser-Archiv

Das Robert-Häusser-Archiv enthält den gesamten fotografischen und bibliografischen Nachlass mit über 60.000 Negativen, Bildern und Dokumenten Robert Häussers, ein bedeutender Fotografen der Gegenwart.

Robert Häussers künstlerisches Schaffen

Bereits als Jugendlicher schuf er 1941/42 eine Reihe von Bildern, die Höhepunkte der neueren Fotografie darstellen. Unbeirrt von Tagesmoden entwickelte er konsequent und kontinuierlich seine eigene Formsprache und ist im Laufe der Jahre Stil bildend für die deutsche Fotografie geworden. Für Robert Häusser ist die Fotografie ein künstlerisches Medium, bei dem Inhalt und Form sich wechselseitig bedingen. Seine Bilder spekulieren nicht auf vordergründige Effekte und schnellen Konsum. Sie fordern vom Betrachter eine kontemplative Annäherung, um ihren Gehalt zu erschließen. Immer wieder wurde festgestellt, dass etliche seiner Bilder später einsetzenden Kunstrichtungen vorgegriffen haben.

Seine ausschließlich schwarz-weißen Fotografien sind von strenger, oft symmetrischer Tektonik. Fast grafisch heben sich die Hell-Dunkel-Flächen voneinander ab und verdichten sich zu einem suggestiv-symbolischen Ausdruck. Die Inhalte sprechen oft von Melancholie und Einsamkeit und zeigen eine gedankliche Verwandtschaft zu Malern wie Caspar David Friedrich, Edward Hopper und Giorgio de Chirico. Das Trauma des Leidens seiner Familie in der Zeit des Nationalsozialismus findet in vielen seiner Arbeiten einen bildnerischen Niederschlag.

 

Über Robert Häusser

Robert Häusser (1924 - 2013) gehörte zu den wenigen international anerkannten deutschen Fotografen der Nachkriegszeit. Seine Bilder wurden schon in den 50er und 60er Jahren in Galerien und Museen ausgestellt, zu einer Zeit, als die Fotografie in Deutschland noch nicht den künstlerisch autonomen Stellenwert besaß wie heute. Heute gilt Häusser als ein Wegbereiter der zeitgenössischen Fotografie.

 

Biografie

Robert Häusser wurde am 8. November 1924 in Stuttgart geboren, erhielt eine fotografische Ausbildung und lebte von 1946 – 1952 als Bauer auf dem Hof seiner Eltern in der Mark Brandenburg. 1953 baute er sich in der Bundesrepublik eine neue Existenz auf und fotografierte für Auftraggeber in vielen Ländern der Welt. Nach Jahren gab er sein erfolgreiches Werbestudio auf, um sich nur noch seiner freien künstlerischen Arbeit zu widmen.

Biografische Daten im Überblick

1924 in Stuttgart geboren

1940 – 1941

Volontärzeit als Pressefotograf in Stuttgart. Es entstehen die ersten in das Oeuvres aufgenommenen Arbeiten, die "Frühen Bilder".

1941  1942

Ausbildung als Fotograf, weitere Arbeiten der "Frühen Bilder"

Diplom-Abschluss (”Sehr gut mit Auszeichnung”)

1942 1946

Kriegsdienst und Gefangenschaft

1946  1952

Arbeit als Bauer mit seiner Familie auf dem elterlichen Hof in der Mark Brandenburg, sowjetische Besatzungszone.

Dort entstehen Bilder aus der bäuerlichen Welt und von Baudenkmälern.

1949

Studium an der Kunstschule Weimar. Auseinandersetzung mit der Architektur-fotografie von Prof. Walter Hege.

1950 – 1952

Ständige Teilnahme an Ausstellungen und Wettbewerben westeuropäischer Länder.

Erste Preise und Auszeichnungen.

1950

Einladung zur ersten Ausstellung der ”photokina”, Köln.

Berufung als ordentliches Mitglied in die ”Gesellschaft Deutscher Lichtbildner GDL”.

1952

Aufgrund der politischen Situation in der DDR und der zunehmend erschwerten Kontakte zum Ausland Aufgabe des Hofes und Flucht nach Westdeutschland. Aufbau einer neuen Existenz in Mannheim.

ab 1953

Zahlreiche Auftragsreisen für Verlage und Industrieunternehmen in viele Länder Europas, Südamerikas, USA und Ostasien.

1957

Neubau eines Studios für Fotografie.

1960

Berufung in die ”Deutsche Gesellschaft für Photographie DGPH”.

1972

Aufgabe des Studios für kommerzielle Fotografie zugunsten freier künstlerischer Arbeit.

1. Fernsehfilm des Deutschen Fernsehens ARD, Saarländischer Rundfunk über Robert Häusser und sein fotografisches Werk:

”Sprache aus Licht und Zeit”, von Georg Bense, 45 min.

Bühnenbild für das Nationaltheater Mannheim und die Luzerner Festwochen, "So eine Liebe” von Pavel Kohout, Uraufführung, Inszenierung Michael Hampe.

1984

2. Fernsehfilm des Deutschen Fernsehens ARD, Süddeutscher Rundfunk über Robert Häusser und sein fotografisches Werk:

”Das Unsichtbare sichtbar machen”, von Rudolf Werner, 45 min.

1989

Ernennung zum Professor.

2004

3. Film im Auftrag des ZDF / 3sat: "Robert Häusser – Ein Leben in Bildern", von Kerstin Achenbach, 45 min.

2010

4. Film mit freundlicher Unterstützung des Fördererkreises für die Reiss-Engelhorn-Museen: "Robert Häusser - Leben und Werk", von Rudij Bergmann, 45 min.

2013

Nach langer Krankheit verstarb Robert Häusser am 5. August 2013 in Mannheim.

Seit 1959 über 130 Einzelausstellungen in Museen und Galerien des In- und Auslandes

Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh), der Deutsche Fotografische Akademie (DFA), des Deutschen Künstlerbundes und der Darmstädter Sezession.

Ehrungen + Auszeichnungen

Robert Häussers Preise und Auszeichnungen

Robert Häussers Werk wurde mit vielen Ehrungen ausgezeichnet. 1995 erhielt er den ”Internationalen Preis für Fotografie” der ”Erna and Viktor Hasselblad-Foundation”, Schweden, den höchst dotierten Preis für Fotografie, der unabhängig vom Kamerafabrikat vergeben wird. Unter bedeutenden Fotografen wie Lennart Nilsson, Ansel Adams, Irving Penn, Henri Cartier-Bresson, Ernst Haas, Edouard Boubat, Sebastião Salgado, William Klein, Richard Avedon, Josef Koudelka, Robert Frank hat er diese Auszeichnung als erster deutscher Fotograf erhalten. In der Begründung der Jury des Hasselblad-Preises heißt es u.a.:

"Robert Häusser ist einer der hervorragendsten Bildkünstler der modernen Fotografie in Deutschland. Sein Werk kann als eine Entwicklung der Formsprache innerhalb der ‘Subjektiven Fotografie’ angesehen werden, die große Aufmerksamkeit in Europa während der Nachkriegsjahre fand”. Bilder von Robert Häusser wurden bisher in über 130 Einzelausstellungen in Museen und Galerien des In- und Auslandes gezeigt.

Eine Auswahl

1950

Silberne Medaille der ”Swedish Master Competition”, Stockholm

1960

Verleihung der ”photokina-plakette” für die künstlerische Leistung 1. Preis im Wettbewerb ”Deutscher Städtetag”

1961

Goldmedaille der ”3. Biennale Internazionale”, Venedig

1962

”Sonderpreis der Stadt San Remo”, Italien

1978

Verleihung der ”Schillerplakette der Stadt Mannheim”

1984

”Kunstpreis der Stadt Nordhorn”; Verleihung der ”David-Octavius-Hill-Medaille” der Gesellschaft Deutscher Lichtbildner GDL - Deutsche Fotografische Akademie DFA

1985

Verleihung des ”Verdienstkreuzes I. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland” für das künstlerische Lebenswerk.

1995

Preisträger für eine große Wandgestaltung für die Bundesregierung im Haus der Abgeordneten in Berlin. ”Internationaler Preis für Fotografie 1995” der ”Erna und Victor Hasselblad- Foundation”, Schweden.

1996

Mehrmonatiger Ehrengast der Deutschen Akademie Rom ”Villa Massimo”.

2000

Kulturpreis der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPH), Köln.

2007

Verleihung der "Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg"

Die Helmut-Gernsheim-Fotosammlung

Der zeitgenössische Teil der Helmut-Gernsheim-Fotosammlung ist von internationalem Rang. Sein gesamtes Archiv und seine Bibliothek bilden Grundstock für die international orientierten, wissenschaftlichen Forschungen zur Fotogeschichte an den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim.

Seit Beginn des Jahres 2002 verwaltet das Forum Internationale Photographie den zeitgenössischen Teil der Fotosammlung des Pioniers der Fotogeschichte und bedeutenden Sammlers Helmut Gernsheim (1913 - 1995). Es handelt sich um eine Kollektion, die vor allem Arbeiten von Fotografen des 20. Jahrhundert umfasst. Das einzigartige Material besteht aus verschiedenen Sparten der Fotografie (Bildjournalismus, Sachfotografie, Porträt, Landschaft, Tiere, Tanz, Theater und künstlerische Positionen) und bildet eine wertvolle Basis für die internationale Forschung zur Fotogeschichte. Die Sammlung umfasst ca. 10.000 Werke. Des Weiteren zählen auch sein künstlerisches Oeuvre als Fotograf sowie seine umfangreiche Fotobibliothek zum Helmut-Gernsheim-Archiv.