Antikensammlung
Die Antikensammlung in den Reiss-Engelhorn-Museen widmet sich vorrangig der Kunst und Kultur des Mittelmeerraumes und den angrenzenden Regionen im Osten. Neben Objekten aus der griechischen, der italischen und etruskischen, sowie der römischen Kultur präsentiert sie Exponate aus Zypern, dem Vorderen und Mittleren Orient bis in die Gandhara-Region im heutigen Nordwesten Pakistans und Süden Afghanistans. Der zeitliche Rahmen der präsentierten Objekte erstreckt sich vom 3. Jahrtausend v. Chr. bis ins 8. Jahrhundert n.Chr.
Eine Auswahl der kostbaren Schätze wird im Untergeschoss des Museums Zeughaus präsentiert. Die Bestände gehen teilweise auf die kurfürstlichen Sammlungen des 17. und 18. Jahrhunderts zurück. Sie kamen 1809 in den Besitz des Großherzogs von Baden. Zahlreiche Ankäufe in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und die Vereinigung des Großherzoglichen Antiquariums mit den Antiken des Mannheimer Altertumsvereins führten 1897 zu einer Neuaufstellung im Schloss, das 1943/1944 zerstört wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Bestände zunächst im 1957 gegründeten Reiss-Museum im Zeughaus ausgestellt, ab 1988 im heutigen Museum Weltkulturen in D 5. Seit 2007 sind sie wieder im Museum Zeughaus zu sehen.
Im Jahr 2022 erhielt das Museum eine bedeutende Sammlungserweiterung über eine Zustiftung an die Bassermann-Kulturstiftung. Es handelt sich um die hochkarätige Sammlung von Klaus Parlasca, in der sich vor allem Objekte aus den römischen Ostprovinzen und Ägypten befinden.
Griechen
Griechische Vasen als Quelle für antike Alltagswelt
Griechische Vasen sind mit Bildern aus den Götter- und Heldensagen, von Festen und Kulten, aber auch mit Szenen aus dem Alltagsleben geschmückt. Sie stellen daher eine aussagenreiche Quelle zur antiken Kulturgeschichte dar.
Die Fülle der mythologischen Darstellungen gibt zudem einen Eindruck davon, wie eng das Leben der Menschen in der Antike mit den Göttern verbunden war. Dies spiegelt sich auf den Vasenbildern wieder, wo Götter nicht nur gemeinsam mit Helden, sondern auch mit Sterblichen gezeigt werden.
Bereits ab dem 6. Jahrhundert v.Chr. erscheinen zunehmend auch Bilder aus dem Alltag, wie Trinkgelage (Symposien), Frauen in ihrer häuslichen Umgebung, Handwerker bei der Arbeit in ihren Werkstätten, Händler, sportliche Wettkämpfe, Krieger beim Aufbruch und im Kampf, Wagenfahrten, um nur einige Themen zu nennen.
Etrusker
Etruskische Bestattungsformen und -sitten
Wie in allen antiken Kulturen hatten die Lebenden dafür zu sorgen, dass es den Toten im Jenseits an nichts mangelte. So entstand auch der aufwendige Totenkult der Etrusker, der sich uns vor allem aus den mit zahlreichen Beigaben versehenen Gräbern und später den prachtvoll ausgestatteten Grabkammern erschließt.
Schon in der Frühzeit Italiens, der sog. Villanova-Zeit (9. – 8. Jahrhundert v. Chr.), wurden die Toten sorgsam bestattet. Die Asche der Toten gab man in eine Urne, die in einer einfachen Grube versenkt wurde. Dazu kamen einzelne Beigaben.
Später wurde die Brandbestattung von der Beisetzung des Körpers in einem Schachtgrab, später in einem Kammergrab abgelöst. Während sich die Struktur der Grabformen allmählich änderte, gehören zu einer Körperbestattung auch weiterhin eine ganze Reihe von Grabbeigaben. In der Mannheimer Antikensammlung gibt es zwei Inszenierungen von solchen Gräbern mit Körperbestattung und Beigaben.
Römer
Römisches Kunsthandwerk
Römisches Kunsthandwerk bildet einen weiteren Schwerpunkt der Antikensammlung. In der Keramik ist die so genannte Terra Sigillata bedeutsam. Es handelt sich um eine bis weit über das römische Reich hinaus verbreitete feine rote, sehr hart gebrannte Tonware, die mit einem glänzenden Überzug versehen ist. Sie diente als feines Tafelgeschirr. Bronzestatuetten von Göttern, Menschen und Tieren zählen ebenfalls zu den qualitätvolleren Produkten der Handwerker.
Für die Beleuchtung von Räumen wurden Lampen aus Ton oder Metall hergestellt. Tonlampen entstanden meist durch Pressen in Formen, Exemplare aus Bronze wurden gegossen. Am häufigsten sind auf ihrer Oberseite verzierte Lampen mit einer Schnauze. Besonders kostbar ist antikes Glas. Seine Herstellung entwickelte sich im 2. Jahrtausend v.Chr. in Ägypten und in Mesopotamien. In Syrien erfand man in hellenistischer Zeit die Technik des Glasblasens und ermöglichte dadurch die Massenproduktion von Glaswaren. Seit dem 1. Jahrhundert v.Chr. waren Werkstätten im gesamten Imperium Romanum verbreitet.
Orient
Heimat antiker Hochkulturen
Eine eigene kleine Abteilung der Antikensammlung stellen die Funde aus dem „Orient“ dar bzw. Objekte aus Zypern, Syrien, Mesopotamien, dem Iran bis aus der Indus-Region. Dieses, Tausende von Quadratkilometer umfassende Gebiet ist die Heimat von zahlreichen antiken Hochkulturen. Ein prägendes Phänomen in der Geschichte dieser Region sind die wechselseitigen Beeinflussungen, die in vielfältiger Weise zu einer Vermischung der Kulturen in Ost und West beitrugen. Trotz einer großen Bandbreite von ethnischen und sprachlichen Unterschieden entstand eine Art kulturelles Netzwerk, das vor allem durch die Verwendung eines gemeinsamen Schriftsystems zusammengehalten wurde.
Dieser Austausch zwischen Kulturen begann bereits im 5. Jahrtausend v. Chr. und setzte sich über die hellenistische Zeit (4. Jahrhundert v. Chr.) bis weit in die Spätantike (8. Jahrhundert n. Chr.) fort. Der Kulturtransfer zeigt sich im Alltagsleben, in der Kunst, den religiösen Vorstellungen sowie in gesellschaftliche Strukturen. Im Vorderen Orient wurden damals einige Grundlagen der europäischen Kulturentwicklung gelegt, zudem entstand dort eine der ersten Schriftkulturen der Menschheit.
In diesen Sammlungsbereich gehören neben den Altbeständen auch bedeutende Objekte aus der Sammlung Klaus Parlasca, die 2022 als Zustiftung an die Bassermann-Kulturstiftung kam. Hierbei handelt es sich unter anderem um Skulpturen aus Kleinasien und dem Vorderen Orient sowie Schmuckstücke, Amulette, Götterfigurinen oder auch Alltagsgegenstände.
