Ein Jugendlicher testet in Ausstellungsräumen das Modell eines Flugobjektes.

Leonardos geniale Erfindungen

Leonardo da Vinci gilt als einer der größten Maler aller Zeiten. Doch auch als Erfinder, Ingenieur und Naturforscher war der Renaissancekünstler seiner Zeit weit voraus. Unsere neue Sonderausstellung lädt in die Werkstatt des Meisters ein. Hier können Sie Leonardos Innovationen hautnah erleben und selbst ausprobieren. Zur Einstimmung haben wir Kuratorin Giulia Worf ein paar Fragen gestellt.

Frau Worf, die meisten kennen Leonardo da Vinci als Maler der Mona Lisa oder des Abendmahls. Ihre Ausstellung widmet sich dem Erfinder …

Die meisten denken in der Tat zuerst an seine Gemälde. Dabei sind nur etwa 15 bis 20 Gemälde von Leonardo erhalten. Hingegen existieren noch 2.000 bis 2.500 Skizzen und Zeichnungen. Darin dokumentiert er seine Ideen, Beobachtungen und Erfindungen – von Fluggeräten über Brücken und Kriegsmaschinen bis hin zu anatomischen Studien. Genau in diese Gedankenwelt möchten wir die Besucherinnen und Besucher einladen.

War Leonardo da Vinci schon zu Lebzeiten vor allem als Künstler bekannt oder eher als Erfinder?

Er galt schon damals als Universalgenie. Besonders spannend ist ein Brief, den er an den Herzog von Mailand schrieb. Darin bewirbt er sich als Militäringenieur. Er beschreibt, welche Brücken, Belagerungsmaschinen oder Verteidigungsanlagen er entwickeln kann. Am Ende erwähnt er fast beiläufig, dass er auch malen, Bildhauerei betreiben und als Architekt arbeiten könne. Das zeigt, wie vielseitig er sich selbst verstand.

Seine Erfindungen existieren nur als Zeichnungen. Wie wurden daraus funktionierende Modelle?

Das ist das Besondere an der Kooperation mit der Hochschule Bielefeld. Studierende des Fachbereichs Ingenieurwissenschaften und Mathematik haben Leonardos Skizzen wissenschaftlich untersucht und rekonstruiert. Manche Zeichnungen sind so präzise und ausführlich von ihm kommentiert, dass sich Maschinen tatsächlich nachbauen lassen, und andere sind wenig ausgereift. Für die entstandenen Modelle mussten einige Details interpretiert werden, doch viele Konstruktionen funktionieren erstaunlich gut.

Was funktioniert besonders gut?

Ein schönes Beispiel ist Leonardos mobile Brücke, die nahezu eins zu eins rekonstruiert werden konnte. Eine Brücke nach seinem Prinzip wurde sogar 2001 in Norwegen gebaut und wird bis heute genutzt. Andere Ideen scheiterten dagegen an den technischen Möglichkeiten der Renaissance. Für viele Konstruktionen fehlten damals die Materialien oder Antriebe.

Also vieles wurde auch zu Lebzeiten wohl gar nicht umgesetzt?

Ja, sicher. Leonardo hatte unzählige Ideen – und längst nicht alle funktionierten. Aber genau das gehört zum Erfinden dazu. Viele seiner Gedanken wurden Jahrhunderte später zur Grundlage neuer Entwicklungen. Wir möchten zeigen, dass Innovation immer bedeutet, Dinge auszuprobieren, Fehler zu machen und daraus zu lernen. Diese Botschaft ist heute aktueller denn je.

Die Ausstellung lebt vom Mitmachen. Was erwartet die Besucherinnen und Besucher konkret?

Wir wollten bewusst keine Ausstellung schaffen, in der man Exponate nur hinter Glas betrachtet. Viele Modelle dürfen ausprobiert werden. Man kann zum Beispiel eine mobile Brücke zusammensetzen, ein Katapult bedienen, verschiedene Getriebe testen oder ausprobieren, wie Leonardo in Spiegelschrift zu schreiben.

Gibt es ein Exponat, das Sie besonders begeistert?

Ich freue mich besonders über die Steinschleuder, die die Besucherinnen und Besucher ausprobieren können. Spannend finde ich auch Leonardos Fallschirm, dessen Konstruktion Jahrhunderte später erfolgreich getestet wurde. 

Wie ist die Ausstellung aufgebaut?

Ganz wollten wir natürlich nicht auf die Mona Lisa verzichten. Bereits am Eingang werden die Gäste von ihr über eine KI-Animation begrüßt und eingeladen, die Werkstatt Leonardos zu betreten. Es geht zunächst um sein Leben und die Zeit der Renaissance. Über seine berühmten Gemälde gelangen die Besucherinnen und Besucher zu seinen anatomischen Studien und schließlich zu seinen technischen Erfindungen. Die Ausstellung gliedert sich anschließend in Themenbereiche wie Flugtechnik, Wasserbau, Maschinen, Brückenbau, Kriegstechnik sowie Musik und Theater. Insgesamt zeigen wir rund 40 Exponate, von denen viele interaktiv genutzt werden können.

Am Ende schlägt die Ausstellung den Bogen nach Mannheim. Warum war Ihnen das wichtig?

Mannheim ist seit jeher eine Stadt der Erfinderinnen und Erfinder, deshalb passt diese Ausstellung auch so gut hierher. Im letzten Ausstellungsbereich präsentieren sich Mannheimer Start-ups und Unternehmen mit ihren Innovationen. Besucherinnen und Besucher erleben so, dass Erfindergeist kein historisches Phänomen ist, sondern auch heute unsere Zukunft gestaltet.

Was wünschen Sie sich, dass die Besucherinnen und Besucher nach ihrem Rundgang mitnehmen?

Natürlich sollen sie Leonardo neu kennenlernen – nicht nur als großen Künstler, sondern als neugierigen Forscher und unermüdlichen Erfinder. Vor allem wünschen wir uns aber, dass die Ausstellung Jung und Alt inspiriert. Vielleicht verlässt jemand das Museum mit einer eigenen Idee oder entdeckt die Freude am Tüfteln. Genau diese Neugier war schließlich Leonardos größte Stärke – und sie ist bis heute der Motor jeder Innovation.

Neugierig geworden?

Gehen Sie in der Sonderausstellung „Leonardo da Vinci – Erfindungen erleben“ auf Entdeckungstour. Sie ist bis 30. Mai 2027 im Museum Weltkulturen D5 zu sehen.
Mehr zur Ausstellung

Zur Ausstellung gibt es ein abwechslungsreiches Begleitprogramm.
Alle Termine im Überblick

Das Interview mit Kuratorin Giulia Worf erschien zuerst in der aktuellen Ausgabe des Kulturmagazins der Metropolregion Rhein-Neckar. Drei Ausgaben pro Jahr liefern jede Menge Kulturtipps der Festivals, Museen und Schlösser der Region. Das Magazin liegt kostenlos an zahlreichen Stellen aus –  natürlich auch in unseren Ausstellungshäusern.

Sie wollen noch mehr Kulturtipps? Dann schauen Sie unbedingt im neuen Kultur- und Veranstaltungsportal WAS GEHT Rhein-Neckar? vorbei.
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