
Funde aus der frühen Eisenzeit
Bei einer Grabung in Mannheim-Sandhofen erwartete unser Archäologen-Team eine Überraschung: Statt Funden aus dem Mittelalter – mit denen sie gerechnet hatten – fanden sie in tieferen Schichten auch noch Spuren, die auf eine deutlich ältere Siedlung hinweisen. Diese sind vermutlich rund 2800 Jahre alt und stammen aus der frühen Eisenzeit. Aktuell werden die Funde gereinigt und gesichtet.

Dr. Klaus Wirth, Leiter der Archäologischen Denkmalpflege und Sammlungen an den rem, hat die Grabung geleitet und beantwortet uns ein paar Fragen.
Wo wurde gegraben und warum?
Die Ausgrabungfläche liegt auf einem Acker im Norden des Mannheimer Stadtteils Sandhofen. Dort soll das Fundament eines Funkmastes gebaut werden. Das Landesdenkmalamt hat Ackerflächen in diesem Bereich als Kulturdenkmale im Sinne § 2 des Denkmalschutzgesetzes Baden-Württemberg ausgewiesen.
Kulturdenkmale im Sinne dieses Gesetzes sind Sachen, Sachgesamtheiten und Teile von Sachen, an deren Erhaltung aus wissenschaftlichen, künstlerischen oder heimatgeschichtlichen Gründen ein öffentliches Interesse besteht.
Was haben Sie gefunden?
Wir haben zunächst eine sogenannte Feldbegehung auf dem Acker durchgeführt, auf dem der Funkmast errichtet werden soll. Mit dem Aufsammeln der durch landwirtschaftliche Tätigkeiten an die Ackeroberfläche transportierten Funde verschafften wir uns einen ersten Einblick, ob und aus welchen Zeiten Funde vorliegen können. Die 3-stündige Begehung des „Feldes“ hat wenige Scherben aus der Vorgeschichte (vor Christi Geburt) und viele Scherben aus dem Mittelalter erbracht – darunter wenige Scherben aus dem Frühmittelalter.
Uns treibt ja immer noch die Frage nach der Lokalisierung des Dorfes Geroldisheim um, das aufgrund seiner Endung auf -heim im frühen 6. Jahrhundert gegründet wurde. Wir wissen nur, dass das Dorf dort irgendwo sein muss.


Während der Ausgrabung haben wir viele Fragmente von unverzierten Tongefäßscherben, Tierknochen und Hüttenlehm gefunden. Sie stammen aus einer Verlandungszone eines Altrheinlaufes. Die Scherben datieren in eine Übergangszeit von später Bronzezeit und früher Eisenzeit – also etwa in das 9./8. Jahrhundert v. Chr. Genauer geht das leider nicht. Belegt ist aber noch eine jüngere Besiedlung, die sich durch typische Strukturen – wie Gruben und Pfostenlöcher – dem 14./15. Jahrhundert zuweisen lässt. Eine solche Siedlung an dieser Stelle ist schon außergewöhnlich.
Warum kam der Fund überraschend?
Die spätbronzezeitlichen bzw. früheisenzeitlichen Funde wurden in einer Tiefe angetroffen, die vom Pflug niemals erreicht wird. Darum hatten wir auch keinen Verdacht, auf so alte Funde zu treffen.



Was verraten die Funde?
Die Funde sind Hinterlassenschaften von Menschen, die in unmittelbarer Nähe gewohnt haben. Sie lebten in Häusern, haben diese in Pfostenbauweise errichtet, die Wände bestanden aus Lehm, der auf hölzernes Flechtwerk aufgetragen wurde. Sie haben Tiere gehalten, darunter auch Pferde und Schweine. Von einem Teil dieser Haustiere haben sich die Menschen auch ernährt.

1: Wandscherbe eines Tongefäßes, 2: Wandscherbe eines Siebgefäßes, 3: Zahn vom Pferd, 4: Zahn vom Schwein
© rem gGmbH Stiftungsmuseen, Foto: Cornelia Rebholz
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