Blick über die Schulter einer Person mit weiß-schwarz-geringeltem Oberteil. Sie behandelt mit einem feinen Werkzeug ein altes, beschriebenenes Blatt Papier.

Nachlass des Tierhändlers Josef Menges

Unsere Sammlung Weltkulturen und Naturkunde beherbergt nicht nur einzigartige Artefakte aus allen Erdteilen, sondern in ihrem Archiv auch bedeutende Schriftquellen. Eine wichtige Quelle für die Forschung ist der Nachlass des kolonialzeitlichen Tierhändlers Josef Menges. Der Nachlass konnte nun dank einer Förderung der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) restauratorisch behandelt und für die Zukunft bewahrt werden.

Der Nachlass des deutschen Tierhändlers Josef Menges (1850-1910) umfasst unter anderem Reisetagebücher, handschriftliche Kladden sowie rund 15.000 lose Blätter mit Geschäftskorrespondenz – darunter Briefwechsel mit bekannten Akteuren wie Carl Hagenbeck vom gleichnamigen Hamburger Tierpark. Das Schriftgut liefert Informationen zur Tiergeografie, Wirtschaft und Kolonialgeschichte des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts und gibt Aufschluss über Menges‘ Aufenthalte auf dem afrikanischen Kontinent. Dort ließ er Tiere fangen und verkaufte sie nach Europa. In den 1980er Jahren wurde der Nachlass von seiner Familie ans Museum übergeben.

Akut gefährdet

Aufgrund von gebrauchs- und alterungsbedingten Schäden waren die Dokumente akut gefährdet. Besonders Tintenfraß setzte den Schriftstücken immer mehr zu. 

„Schnelles Handeln war nötig, ansonsten wäre dieses wichtige Schriftgut unwiederbringlich verloren gegangen“, betont Dr. Sarah Nelly Friedland, rem-Direktorin für die Bereiche Archäologie und Weltkulturen. „Aus eigenen Mitteln hätten wir diese Aufgabe nicht stemmen können, umso dankbarer sind wir für die Unterstützung durch die KEK.“

Restaurierung und weitere Schritte

In den letzten Monaten erfolgte in Zusammenarbeit mit Papierrestauratorin Cornelia Rauch-Ernst eine umfassende restauratorische Sicherung und systematische Erschließung des Bestandes. Auch optimale Lagerungsbedingungen wurden geschaffen. Jetzt ruhen die Dokumente in eigens dafür vorgesehenen, säurefreien Schutzverpackungen. Aktuell werden die Schriftstücke digitalisiert, wodurch eine KI-basierte Erschließung des Nachlasses ermöglicht werden soll. Auf unserem YouTube-Kanal gewährt ein Film Einblicke ins Projekt.

Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts 

Die Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) wurde 2011 gegründet und wird von dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) und der Ländergemeinschaft über die Kulturstiftung der Länder als Projekt gefördert. Die KEK unterstützt bundesweit Projekte zum Originalerhalt. Seit 2010 wurden in der KEK-Förderung 1.244 Projekte mit rund 27,6 Millionen Euro umgesetzt.

Neugierig geworden?

Ein Film gewährt einen Einblick in die Arbeit am Nachlass Menges
Zum Film

Erfahren Sie mehr über die Arbeit der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) 

Unsere Sammlung Weltkulturen und Naturkunde berherbergt Kulturgüter von allen Erdteilen. Mehr erfahren Sie hier.

Besuchen Sie auch unsere Seiten zum Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten.