Tanzmasken der Baining zurück in „MusikWelten“

Die Ausstellung „MusikWelten“ schafft mit einer Fülle einzigartiger Instrumente und Objekte verschiedener Epochen und Regionen einen sinnlichen Zugang zum Menschheitsphänomen Musik. Seit kurzem sind auch drei große Baining‑Masken wieder in der Schau zu bewundern. Die kostbaren Exponate aus Ozeanien kamen bei nächtlichen Feuertänzen zum Einsatz.

Die Baining sind im Osten der Insel Neubritannien beheimatet, die heute zu Papua‑Neuguinea gehört. Dort siedeln sie hauptsächlich im Bergland der Provinz East New Britain. Ihre Nachbar:innen sind hauptsächlich die an den Küsten lebenden Tolai. Wie überall in Papua-Neuguinea wird auch hier eine große Vielfalt an Sprachen gesprochen.

Der Name „Baining“ ist eigentlich eine Fremdbezeichnung aus der benachbarten Tolai-Sprache und bedeutet so viel wie „Menschen, die im Busch leben“. Die Baining selbst bezeichnen sich als „das Volk“ oder „Menschen“ und sehen sich als ursprüngliche Bewohner des Landes an. Traditionell wohnen sie in kleinen Weilern und betreiben Brandrodungsfeldbau – also wechselnde Kultivierung von Flächen durch Abbrennen der Vegetation – sowie Jagd und Sammelwirtschaft.

Kunstvoll gestaltete Tanzmasken

Im Zentrum ihrer materiellen und zeremoniellen Kultur stehen kunstvoll gestaltete Tanzmasken. Sie reichen von beeindruckend großen hareiga-Masken bis zu kleineren, aber nicht minder kunstvollen Aufsatzmasken und werden in unterschiedlichen Tänzen und Zeremonien eingesetzt. Tänze sowie Masken sind auch heute noch zentrale Ausdrucksformen von Identität und sozialer Ordnung.

„Im dramatischen Kult der Maskenfeste [verstehen] die Baining, sich selbst in Ursprung und Dasein zu begreifen, die Ganzheit ihrer kleinen Welt zu erfassen und deren stete Krisen und Gefahren geistig zu bewältigen.“ (aus Waldemar Stöhr: Kunst und Kultur aus der Südsee)

Präsentation in der Ausstellung

In der Ausstellung sind drei Aufsatzmasken zu sehen, die bei nächtlichen Tänzen verwendet werden. Diese faszinierenden Tänze finden rund um ein großes Feuer statt. Im Laufe der immer ausdrucksstärker werdenden nächtlichen Tänze laufen die Maskenträger auch selbst durch das Feuer. Dementsprechend ist auch in der Ausstellung im Hintergrund der Masken ein großes Feuer bildlich zu sehen.

Grundsätzlich lassen sich die Maskenfiguren der Baining in kavat (Schattengeister), vungvung (Ahnengeister, oft mit großem Kopfteil und bastumwickelter Bambustrompete) sowie lingen (Geister, jüngste Söhne der kavat, die als Festordner die Tänzer anleiten) einordnen.

Bei den ausgestellten drei Masken verweisen Material und Form eindeutig auf den Gebrauch in nächtlichen Feuer- und Initiationstänzen – also Übergangsritualen von einem Lebensabschnitt in den nächsten. Die Masken können Materialien, Formgebung und rituelle Funktion der Baining‑Kunst gut veranschaulichen.

Die mittig ausgestellte Maske ist eine langgestreckte, röhrenförmige Konstruktion aus Bambusgeflecht, das mit Rindenbast bezogen ist. In der Mitte befindet sich ein großes löffelförmiges Gesicht mit breitem, entenschnabelförmigem Mund. Über den Augen verläuft eine Stirndekoration aus abstrakten Blattranken und einem ovalen Vogelmotiv.

Die Maske links in der Inszenierung ähnelt in ihrer Formensprache mit den großen Augen und dem schnabelförmigen Mund sehr der mittleren Maske, ist jedoch im engeren Sinne als kavat‑Nachttanzmaske einzuordnen und gehört damit zur Gruppe der „aggressiven Schattengeister“.

Die Maske, die rechts platziert ist, ruht auf einem Bambusgerüst und ist mit hellem Rindenbaststoff gearbeitet. Ihr flaches, ovales Gesicht zeigt eine vorn gewölbte Nase, runde Augen aus roten und schwarzen Kreisen und einen langen Strohbart, der mit Lianenschnüren befestigt ist.

Baining-Objekte in den rem

Alles in allem verwahren die Reiss-Engelhorn-Museen in der Sammlung Weltkulturen über einhundert Objekte, die den Baining zugeschrieben werden. Der nördliche Teil des heutigen Papua‑Neuguinea – also auch Neubritannien – war von 1884 bis 1914 als Deutsch‑Neuguinea Teil des Deutschen Reichs. Diese Epoche beeinflusste Begegnung, Umgang und Art der Aneignung sowie die Wege, auf denen Objekte in europäische Sammlungen gelangten. Dem zugrunde lag ein ungleiches Machtverhältnis zwischen den Kolonialherren und den Einheimischen. 

Für die Einordnung von Sammlungsbeständen und deren Erwerb bleibt dieser historische Rahmen deshalb ein wichtiger Bezugspunkt. Alle drei Objekte wurden in den 1980er Jahren von einer Privatperson angekauft. Wie die Person ursprünglich an die Objekte gelangte, konnte bisher nicht gänzlich geklärt werden. Die Recherche zur Provenienz der Stücke – also ihrer Herkunft und ihrer Erwerbsumstände – ist jedoch weiterhin Gegenstand aktueller Forschungen nicht nur hier sondern auch bei weiteren Objekten, die in der Ausstellung gezeigt werden.

Dr. Sarah Nelly Friedland, rem-Direktorin für Archäologie und Weltkulturen, äußert sich zufrieden über die Rückkehr der Masken: „Ich freue mich sehr, dass diese drei außerordentlichen Zeugnisse der materiellen Kultur Ozeaniens nach der Neumontage nun wieder gezeigt werden können. Damit machen wir weitere Teile unserer hochkarätigen Weltkulturen‑Sammlung öffentlich zugänglich und erlebbar.“

Für dieses Wieder-Erleben und die Neuinstallation danken wir Verena Kühler, Restauratorin aus Köln, sowie den rem-Restauratorinnen Dr. Sylvia Mitschke und Sandra Gottsmann, die die großformatigen Konstruktionen mit viel Sachverstand und Geduld wieder stabil und konservatorisch abgesichert montiert haben. Dank gilt auch Uwe Rehberger für die Bespannung und beste Ausleuchtung der Objekte, sodass sie vor dem Feuer im Hintergrund wieder passend zu ihrer Funktion zur Geltung kommen.

Neugierig geworden?

Gehen Sie in der Ausstellung „MusikWelten“ auf eine fazinierende Reise um den Globus.
Mehr zur Ausstellung

Unsere Weltkulturen-Sammlung umfasst rund 40.000 Kulturgüter von fünf Kontinenten. Mehr erfahren Sie hier.

Besuchen Sie auch unsere Seiten zum Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten.

Lesetipps

  • Stöhr, Waldemar: Kunst und Kultur aus der Südsee. Sammlung Clausmeyer. Melanesien. Rautenstrauch-Joest-Museum für Völkerkunde, Köln 1987
  • Heermann, Ingrid: Form – Farbe – Phantasie. Südsee-Kunst aus Neubritannien. Linden-Museum, Stuttgart 2001