
Kunst zwischen zwei (Buch-)Deckeln
Noch bis 21. Juni 2026 können Sie sich in der Sonderausstellung „Glasmenagerie“ von den gläsernen Tierskulpturen der polnischen Bildhauerin Marta Klonowska verzaubern lassen. Auch das Begleitbuch ist bereits ein kleines Gesamtkunstwerk. Es steht in der Tradition der Künstlerbücher und lädt über die Ausstellung hinaus zum Entdecken der faszinierenden Arbeiten ein.

Künstlerbücher
Künstlerbücher gelten als eigenständige Kunstwerke, die als Buch gedruckt oder als Objekte in unterschiedlicher Form auftreten können. Dabei werden typographische, bildende und kreative Elemente miteinander kombiniert. Das Ergebnis gleicht meist eher einem Kunstwerk als einem traditionellen Buch.
Ihre Variationen sind unendlich. Sie bieten unter Einsatz unterschiedlicher handwerklicher Techniken viel Raum, um die Grenzen eines herkömmlichen Buches zu überschreiten. Eine Definition dessen, was ein Künstlerbuch ausmacht, ist eigentlich nicht zu fassen. Sachlich klingt folgender Versuch einer Beschreibung: „von einem Künstlerbuch spricht man, wenn es ein Künstler gemacht hat, oder wenn er sagt, es sei eines“ (Lucy Lippard). Anders formuliert: „ein Künstlerbuch ist Kunst zwischen zwei (Buch-)Deckeln“ (Lilian Landes, Bayr. Staatsbibliothek München).
Lange Tradition
Künstlerbücher entwickelten sich seit den ausgehenden sechziger Jahren in wachsendem Maße und in großer Vielfalt künstlerischer Ausdrucksformen. Anfänge gab es bereits in den 1920er Jahren, wo etwa Picasso das Buch als unabhängige Kunstform bearbeitete. Das Buch als künstlerisches Medium spielt bis heute eine zentrale Rolle im Werk vieler Kunstschaffender.
Es wird als Instrument genutzt, um Visionen zu entwerfen oder die Konzeptkunst zu erweitern. Nicht immer hat ein Künstlerbuch die Erscheinung eines Buches – beispielsweise in einer Ausführung aus Beton. Die Gestaltung von Künstlerbüchern kann Collagen, Illustrationen oder interaktive Elemente umfassen. Ungewöhnlich ist die Zugabe von fremden Stoffen – etwa Metall oder Glas – aber auch die Einbeziehung von echten Fotografien, Zeitungsausschnitten oder die Anwendung verschiedenster druckgraphischer Techniken.
Ausgehend von dieser engen Verschränkung von Gestaltung und Inhalt zeigt sich ein zentrales Merkmal, das auch die zeitgenössische Buchkunst umfasst: Das Buch wird als eigenständiges Medium immer wieder neu befragt.
Band zur Ausstellung „Glasmenagerie“
Eine neue Publikation spiegelt diese vielfältigen gestalterischen Ansätze wider. Nicht direkt von, aber im direkten Austausch mit der Künstlerin gestaltet ist das Begleitbuch zur Ausstellung „Marta Klonowska: Glasmenagerie“, die bis zum 21. Juni 2026 in unseren Stiftungsmuseen zu Gast ist. Der Band ist an der Museumskasse erhältlich.

Das Werk enthält Wissenswertes zur Glaskunst der polnischen Bildhauerin und ist zugleich selbst ein kleines Kunstwerk. Mit viel Liebe zum Detail entstand dieser ungewöhnliche Band. Dass bei Büchern vor allem das Cover den ersten Eindruck prägt, ist kein Geheimnis. So wurde beim Einband der Karton sichtbar gelassen und der Buchrücken rein schwarz gestaltet.
Im spannungsvollen Kontrast zu dem unprätentiösen Karton stehen die Kanten der Buchdeckel. Diese sind sorgfältig mit einem Streifen aus farbigem Papier beklebt. Die Bedruckung – ein charmanter Hingucker – zeigt vergrößerte Details von Marta Klonowkas Glaskunstwerken. Jedes Exemplar trägt somit eine andere Facette des Werks, so dass jedes Buch gleichsam zum Unikat wird.

Das anspruchsvolle Layout und die hochwertige Produktion bieten einen idealen Rahmen für den Inhalt des Bandes. Auf dem vorderen Buchdeckel haftet ein kleines Heft, das zugleich den Titel des Buches trägt. Es enthält Wiedergaben von Entwurfsskizzen zu den im eigentlichen Buch gezeigten Objekten und ermöglicht Einblicke in den Entstehungsprozess der Werke.
Der Katalogteil beginnt mit einer logischen Fortsetzung: In vielen Schwarzweiß-Aufnahmen zeigen sich Entwürfe und Umsetzung einer Skulptur. Die Bilder lassen innehalten, vor- und zurückblättern, vergleichen und nachdenken. Das „Lesen“ wird beinahe zu einer Art meditativen Übung.

Bilder: © rem gGmbH Stiftungsmuseen, Foto: Cornelia Rebholz und © rem, Foto: Eva-Maria Günther



Im angeschlossenen Essayteil fällt der mutige Satz auf, der den Texten eine eigene Dynamik verleiht. Auf unnötige Schrifthierarchien wurde verzichtet. Im Katalogteil spielen großzügig präsentierte Fotografien die Hauptrolle. Diese sprühen vor Energie und laden zum völligen Eintauchen in die Welt Klonowkas ein. Es gibt unendlich viele Facetten ihrer Werke zu entdecken – man schlendert quasi zwischen ihnen umher.

Während Bücher aus dem Buchhandel meist ganz glatt abgeschnitten sind, erscheint dieses Buch im sogenannten Rough Cut. Die Schnittkante ist dabei wellenförmig geschnitten. Der Buchschnitt erscheint etwas wilder, fast ein wenig zerfleddert. Historisch betrachtet war der raue Buchschnitt lange ein Standard, da das von Hand binden der Bücher zu ungleichen Schnittkanten führte.
Was die Welt der Buchherstellung zudem prägt, ist der Werkstoff Papier. Das bei dem Katalog verwendete Papier hat eine besondere Qualität und Haptik. Die präzise Farbabstimmung im Druck rundet das Gesamterlebnis überzeugend ab.
Der Katalog denkt das Medium Buch weiter und präsentiert sich als kleines Gesamtkunstwerk, das zum Entdecken der Künstlerin einlädt – weit über die Ausstellung hinaus.
Neugierig geworden?
Das Begleitbuch zur Ausstellung „Glasmenagerie“ erhalten Sie für 37 Euro an der Kasse unserer Stiftungsmuseen in C4,12.
Die faszinierenden Tierskulpturen der Bildhauerin Marta Klonowska können Sie noch bis 21. Juni 2026 in der Sonderausstellung „Glasmenagerie“ bewundern.
Mehr zur Ausstellung
Kuratorin Eva-Maria Günther führt am 21. Juni um 14 Uhr ein letztes Mal durch die Sonderausstellung „Glasmenagerie“.
Mehr zur Veranstaltung
Glas ist ein überaus facettenreiches Material. Erfahren Sie in unserer Blog-Reihe mehr über die Verwendung von Glas in verschiedenen Epochen.


