
Kostbare Schenkung – die Porzellan-Sammlung Bassermann-Jordan
Die Reiss-Engelhorn-Museen beherbergen einen besonderen Schatz: die weltweit größte und bedeutendste Sammlung an Frankenthaler Porzellan. Jetzt gibt es Grund zur Freude. Dank einer Schenkung von Gerda Tschira bereichert und ergänzt die kostbare Porzellan-Sammlung der Familie Bassermann-Jordan dauerhaft unsere Bestände. Es handelt sich um 145 wertvolle Plastiken und Geschirre. Wir stellen Ihnen ausgewählte Stücke vor.

Mit dem Slogan „Porzellan erleben und Wein genießen“ wirbt Meißen um Touristen. Für die Pfälzer Winzerfamilie Bassermann-Jordan würde eher gelten „Wein produzieren und Porzellan genießen“.
Die Winzerfamilie begann in den 70er Jahren des 18. Jahrhunderts mit der Produktion von Wein in Deidesheim. Andreas Jordan (1775-1848), der an der Universität Mainz studiert und im Rheingau den Musterweinanbau kennengelernt hatte, setze nach dem Tod seiner Eltern 1795 bzw. 1797 auf die Herstellung von Qualitätswein. Dadurch wurde Andreas Jordan sehr vermögend. Auch die Einrichtung seines Weinguts sollte seiner Stellung entsprechen. Höchstwahrscheinlich wurde noch zu Zeiten der Produktion der Porzellanmanufaktur Frankenthal für das Weingut ein großes Kaffee- und Teeservice besorgt.
Kaffeegeschirr mit aufwändigem Dekor
Mehrere Stücke dieses Kaffeegeschirrs sind mit einem Besitzvermerk von Andreas Jordan versehen. Erhalten haben sich von diesem Service die Kaffeekanne, die Milchkanne, die Kumme, eine Zuckerdose, eine Teeflasche sowie hohe Bechertassen, flache Tassen und einige Untertassen.
Bemerkenswert sind die aufwendigen und sehr fein gemalten, sogenannten Watteauszenen – Szenen mit galanten Paaren beim Musizieren oder im höfischen Garten, die auf zarte, mit Gold gemalte Rocaillen gesetzt sind.


Die Unterseiten der Stücke verraten einiges über die Fertigung. Aufgrund der unterglasurblauen CT-Marke mit Kurhut und Jahreszahlen wurden die Bestandteile des Geschirrs um 1767 in Frankenthal angefertigt. Da mehrmals die blaue 7 mit einer 8 übermalt wurde, scheinen die feinen Porzellanmalereien erst im Jahr darauf – also 1768 – hinzugekommen zu sein. Als Maler firmiert mit „Me“ bzw. „me“ in Purpur Georg Merk, der 1766 bis 1777 in der Manufaktur tätig war.
Wie das Frankenthaler Kaffeegeschirr zu Andreas Jordan kam, lässt sich nicht mehr sagen – ob über das Mannheimer Kaufhaus oder die Mainzer Verkaufsniederlassung, wo derartige Service oft über mehrere Jahre lagerten, oder als Geschenk oder auf anderem Wege. Es ist jedoch ein großer Glücksfall, dass das Service wie auch diverse weitere Stücke der Sammlung noch Provenienzvermerke tragen.
Plastiken rund um das Thema Wein
Der größte Teil der Sammlung sind Plastiken, die die Nachfahren von Andreas Jordan – nachdem seine Enkelin Auguste den Mannheimer Emil Bassermann (1835-1915) geheiratet hatte, hieß die Winzerfamilie Bassermann-Jordan – auf Auktionen, im Kunsthandel oder von Sammlern und Kennern erworben hatten. Dabei wurden immer wieder Stücke oder Gruppen zusammengetragen, die etwas mit dem Thema Wein zu tun haben.
So befindet sich in der Sammlung ein großes, farbig staffiertes Weinblatt mit exotischen Vögeln von 1768, das für den Dessertgang bestimmt war. Eine frühe Spülkumme – wohl von 1756 – weist Winzerszenen auf. Das Sujet des Weintrinkens klingt bei dem Landmann von 1757 an, der sich auf einem Baumstumpf niedergelassen hat und sich aus einer Korbflasche den Becher mit Rebensaft füllt. Ihn hat Friedrich von Bassermann-Jordan auf der Auktion Hahn in Frankfurt im März 1925 erworben. Verschiedene Figuren und Gruppen stammen aus Folgen der vier Jahreszeiten, so der Mann mit dem Logel, der Trauben stößt und um 1765 entstand, oder die um 1777 ausgeformte Gruppe von Winzerin und Winzer mit Logel.

Besonders schön ist die große, um 1765 gefertigte Gruppe der Putten als Herbst, die um ein Weinfass gruppiert sind und Phasen wie Folgen des Weingenusses vorführen. Ob dieses Meisterwerk nach einem Modell von Johann Wilhelm Lanz als „Conversationsgruppe“ im Ketschauer Hof in Deidesheim fungieren sollte? Oder hatte der Sammler einfach Freude daran, wie man sie auch selbst bei bloßer Betrachtung solcher Gruppen empfindet?
Galantes Paar
Das gilt ganz besonders für die Plastik des Galanten Paares, die um 1760 entstand. Der durch die Gesten vermittelte erotische und stille Dialog des Paares ist genial, die allansichtig gelungene Komposition der Plastik ein Meisterstück und die filigrane Modellierung der Kleidung sowie die farbige Staffierung höchst gekonnt. Alle diese Elemente lassen diese Gruppe zur wertvollsten der Sammlung werden.
„Porzellan genießen“ war zweifelsohne das Motto der Winzerfamilie Bassermann-Jordan bei Erwerbungen wie dieser!

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