
Mit dem Mammut nach Japan – Eine Ausstellung geht auf große Fahrt
Seit 2016 schicken wir die Schau „Eiszeit-Safari“ auf Tour. Jetzt haben sich Mammut, Höhlenlöwe & Co. auf ihre bisher längste und weiteste Reise gemacht. Rund zwei Monate waren sie per Schiff unterwegs nach Tokio – der ersten Station einer großen Japan-Tournee. Der Transport und der Aufbau haben unser Team vor ganz neue Herausforderungen gestellt. Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen.

Aktuell ist im National Museum of Nature and Science in Tokio eine Ausstellung aus Deutschland zu sehen, die sich mit der Tierwelt und Umwelt der letzten Eiszeit beschäftigt. Die „Eiszeit-Safari“ – entwickelt von den Reiss-Engelhorn-Museen – wurde zuvor an zwölf Stationen in Deutschland und Österreich gezeigt und hat bereits mehr als eine Million Besucherinnen und Besucher in ihren Bann gezogen. Nun ist die Ausstellung erstmals außerhalb Europas zu sehen – verbunden mit einem komplexen logistischen Aufwand.
Wissenschaftlicher Hintergrund
Die „Eiszeit-Safari“ thematisiert die Umweltbedingungen während der letzten Eiszeit – etwa vor 40.000 Jahren. Die Ausstellung beleuchtet das damalige Ökosystem Mitteleuropas, zeigt unter anderem lebensechte Tierrekonstruktionen, Fossilien, Fundstücke menschlicher Herkunft und naturwissenschaftliche Informationen. Zur Ausstellung zählen eindrucksvolle Exponate wie der drei Meter hohe Skelettabguss eines Mammutbullen sowie ein detailgetreues Modell eines Riesenhirsches, dessen imposante Geweihbreite mehr als 3,5 Meter misst.
Ergänzt wird die Schau in Tokio durch internationale Leihgaben – etwa Schädelfunde eines Neandertalers sowie eines Cro-Magnon-Menschen aus dem Muséum national d’Histoire naturelle in Paris. Hinzu kommt ein rund 20.000 Jahre altes menschliches Skelett aus Japan, das erstmals im Kontext einer europäischen Ausstellung gezeigt wird.
Verschiffung über das Kap der Guten Hoffnung
Der Transport der rund 60 Exponate begann im Archäologischen Landesmuseum in Brandenburg an der Havel – der letzten Station der „Eiszeit-Safari“ in Europa. Die Objekte wurden anschließend in das Berliner Depot einer auf Kunsttransporte spezialisierten Spedition gebracht. Dort erfolgten die Sichtung, Verpackung und Containerbeladung. Die empfindlichen Exponate – darunter großformatige Tierrekonstruktionen und originalgetreue Skelettabgüsse – wurden in speziell angefertigten Transportkisten hochseetauglich gesichert und anschließend in drei Überseecontainer verladen.



Die Verschiffung startete im Hafen von Hamburg. Gemeinsam mit bis zu 8.000 weiteren Seecontainern nahm das Frachtschiff Kurs auf Japan. Die Route führte rund um das Kap der Guten Hoffnung und durch den Indischen Ozean. Per Satellitenübertragung konnte die Position des Schiffes auf hoher See nahezu täglich mitverfolgt werden. Nach rund acht Wochen auf See erreichten die Exponate schließlich den Hafen von Tokio.
Die Verschiffung stellte hohe Anforderungen an Material und Verpackung. Großobjekte wie ein Wollhaarmammut, ein Riesenhirsch oder ein Steppenbison mussten demontiert und einzeln gesichert werden. Die Verpackung war speziell auf Seetransporte ausgerichtet – stoßgedämpft und feuchtigkeitsresistent. Auch der Containerinnenraum wurde so vorbereitet, dass Temperaturschwankungen und Seegang den Objekten keinen Schaden zufügen konnten.
Empfindliche Originale per Luftfracht
Ein Teil der Ausstellung – insbesondere die Originalfossilien – wurde getrennt vom übrigen Transport verschickt und nahm das deutlich schnellere Flugzeug. Dabei handelte es sich um besonders fragile Objekte wie den Schädel eines Wollhaarnashorns sowie weitere Knochen- und Zahnfunde aus der letzten Eiszeit.
Die Fossilien wurden in gepolsterten, passgenauen Transportkisten verpackt, die einen sicheren und stoßarmen Transport gewährleisteten. Die Verpackung wurde so konzipiert, dass die Objekte während des Fluges vor Erschütterung, Temperaturschwankungen und Feuchtigkeit bestmöglich geschützt waren.
Damit der Aufbau in Tokio wie geplant starten konnte, mussten See- und Luftfracht natürlich zeitlich aufeinander abgestimmt werden. Es hat geklappt: Alle Objekte sind pünktlich eingetroffen.
Aufbau in Tokio mit Unterstützung aus Mannheim
Nach dem Eintreffen der Transportcontainer im Hafen von Tokio und der separaten Luftfracht begann der Aufbau der Ausstellung im National Museum of Nature and Science. Der Prozess wurde vor Ort durch ein vierköpfiges Team aus Mannheim begleitet. Dieses setzte sich aus zwei Arthandlern, einem wissenschaftlichen Präparator und unserem Ausstellungskoordinator zusammen.
Die Verantwortung des Mannheimer Teams lag ausschließlich im objektbezogenen Aufbau: Sie überprüften, ob alle Exponate den Transport gut überstanden haben, übernahmen die Montage der rekonstruierten Tiermodelle sowie das fachgerechte Einrichten originaler Fundstücke in den Vitrinen.


Ein besonderes Augenmerk galt der erdbebensicheren Aufstellung der Objekte – eine Anforderung, die für uns neu war, aber für Ausstellungen in Japan zwingend ist. Alle freistehenden Rekonstruktionen wurden entsprechend verankert oder gesichert. Auch die Positionierung der Vitrinen und Halterungen erfolgte unter Berücksichtigung lokaler Sicherheitsvorgaben.
Die szenografische Gestaltung, technische Ausstattung und mediale Elemente wurden vollständig vom japanischen Museumsteam realisiert.
Weitere Stationen in Japan
Nach Tokio wird die Ausstellung an vier weitere Orte in Japan weiterreisen:
• Toyama Kenmin Kaikan Museum
• Nationalmuseum Kyushu
• Nagoya City Science Museum
• Sendai City Museum
Die Ausstellung wird dabei jeweils an die unterschiedlichen Raumbedingungen angepasst. Die logistische Planung berücksichtigt nicht nur den Transport, sondern auch Lagerung, Montage, Sicherheit und Zeitfenster an allen Stationen.
Rückbau und Rücktransport im Sommer 2027
Die letzte japanische Station ist das Sendai City Museum. Dort wird die Ausstellung im Frühjahr 2027 zu sehen sein. Im Juni 2027 reist unser rem-Team erneut nach Japan, um die Ausstellung fachgerecht abzubauen. Nach der Demontage treten die Exponate ihre Rückreise an – wiederum teils per Schiff, teils per Luftfracht.
Damit endet eine mehr als zweijährige internationale Tournee, bei der nicht nur Inhalte aus der Eiszeit, sondern auch neue Formen internationaler Zusammenarbeit erprobt wurden – in wissenschaftlicher, technischer und logistisch-organisatorischer Hinsicht.

Fazit
Die Verlagerung der „Eiszeit-Safari“ von Europa nach Japan war logistisch herausfordernd und erforderte enge Abstimmung über Ländergrenzen hinweg. Die Verschiffung über das Kap der Guten Hoffnung, die luftgestützte Parallelfracht empfindlicher Originale, der mehrfache Auf- und Abbau sowie die Koordination mit japanischen Museen verdeutlichen, welche Anforderungen heute an international wandernde Ausstellungen gestellt werden.
Neben der wissenschaftlichen Vermittlung leistet die Ausstellung damit auch einen Beitrag zur praktischen Zusammenarbeit im musealen Bereich – und zeigt, wie Wissen, Objekte und Verantwortung über Kontinente hinweg bewegt werden können.
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Schauen Sie sich an, wie das Mammut zusammengesetzt wird. Hier geht es zur filmischen Bauanleitung.


