
Museum für die Ohren: Ein Projekt, das verbindet
Die Reiss-Engelhorn-Museen setzen ihren Weg zu mehr Barrierefreiheit und Teilhabe konsequent fort. Aufbauend auf den vielfältigen inklusiven Maßnahmen des Projekts „Zukunftsstark“ wurde in diesem Jahr mit „Museum für die Ohren“ ein weiteres innovatives Format realisiert, das die Zugänglichkeit zur Dauerausstellung „Versunkene Geschichte“ nachhaltig erweitert. Eine neue App lädt zum Entdecken ein.

Im Projektmittelpunkt stand die Entwicklung eines deskriptiven Audioguides, der gemeinsam mit Schüler:innen des Ludwig-Frank-Gymnasiums Mannheim und der Schloss-Schule Ilvesheim entstand. Die Schloss-Schule ist auf die Förderung blinder und sehbeeinträchtigter sowie lernbeeinträchtigter Kinder und Jugendlicher spezialisiert – ihre Expertise floss maßgeblich in die Konzeption und Umsetzung des Projekts ein.
Digitale Teilhabe gemeinsam gestalten
Ermöglicht wurde das Projekt durch die Förderung von Aktion Mensch „Digitale Teilhabe für alle“. Ziel war es, einen Audioguide zu entwickeln, der nicht nur Informationen zur Ausstellung vermittelt, sondern insbesondere auch räumliche Eindrücke, Gestaltungselemente und visuelle Inhalte beschreibt – also all das, was für blinde und sehbehinderte Menschen oft nicht zugänglich oder erfahrbar ist.
Bei der Projektdurchführung wurde auf ein partizipatives Modell gesetzt: Schüler:innen beider Schulen arbeiteten eng zusammen – von der Themenrecherche über die Erstellung der audiodeskriptiven Texte bis hin zur Aufnahme der Audios und dem Einpflegen der Dateien in die App. Die Jugendlichen brachten ihre unterschiedlichen Perspektiven ein, unterstützten sich gegenseitig und wuchsen so zu einem starken Team zusammen.
„Es war eine neue Erfahrung, die man so noch nie gesammelt hat“, resümierte eine Teilnehmerin. Besonders das Einsprechen der eigenen Texte habe ihr gefallen: „Was ich am besten fand, war das Aufnehmen, weil man so etwas nicht jeden Tag macht.“


Verschiedene Perspektiven
Ein besonderer Fokus des Projekts lag darauf, die Perspektiven blinder und sehbehinderter Jugendlicher von Beginn an mit einzubeziehen. Sie gaben wertvolle Impulse für die inhaltliche und technische Umsetzung. Gleichzeitig lernten die sehenden Jugendlichen viel über die Themen Barrierefreiheit und Audiodeskription, die vielen zuvor unbekannt waren.
„Und vor allem die Audiodeskription – davon hatte ich vorher noch nie gehört. Daraus konnte ich sehr viel lernen“, berichtete ein Schüler.
Fachliche Unterstützung erhielten die Jugendlichen außerdem von Karlheinz Schneider, dem Vorsitzenden des Badischen Blinden- und Sehbehindertenvereins V.m.K. Mit seiner Erfahrung in der Vermittlung kultureller Inhalte für blinde Menschen setzte er wertvolle Impulse und half bei der Ausarbeitung barrierefreier Formulierungen.
„Ich hatte nicht erwartet, dass Herr Schneider kommt, aber durch ihn konnten wir die Texte am besten schreiben. Ich glaube, ohne ihn wäre es nur halb so gut geworden“, äußerte eine Schülerin.
Eine App, die verbindet
Die gemeinsam entwickelten Texte wurden in eine barrierefreie Museums-App integriert. Die Jugendlichen sprachen ihre Texte selbst ein – ein Aspekt, der das Projekt für viele besonders greifbar machte: „Ich fand es cool, dass wir die Texte für die App selbst eingesprochen haben, denn so wurde es wirklich zu unserem Projekt, das wir auch Freunden und Familie zeigen können.“
In der abschließenden Projektphase testeten die Jugendlichen die Audiodeskriptionen direkt in der Ausstellung. Dabei wurden letzte Anpassungen vorgenommen und die Wirksamkeit der Beschreibungen gemeinsam überprüft.
„Ich finde es toll, dass wir mit der App, unseren Texten und Audios anderen Menschen helfen, die normalerweise keinen Zugang zur Ausstellung hätten“, so das Fazit eines Teilnehmers.


Ausblick
Das Projekt „Museum für die Ohren“ kann beispielhaft für gelungene inklusive Medienarbeit gelten, das kulturelle Teilhabe stärkt und neue Wege in der digitalen Barrierefreiheit aufzeigt. Gleichzeitig wurden wichtige Kompetenzen in den Bereichen Mediengestaltung, Inklusion und kulturelle Bildung gefördert.
Die Projektwoche zeigte eindrucksvoll, wie gemeinsame Erfahrungen den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken können. Die Audiodeskription sowie weitere Audiospuren in Leichter Sprache und in Gebärdensprache sind in Kürze über die neue App der rem in allen App-Stores für alle Besuchenden zugänglich – ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einem offenen und inklusiven Museum.
Für die Zusammenarbeit danken wir unseren Kooperationspartner:innen:
- Den Schüler:innen und Lehrkräften der Schloss Schule Ilvesheim und des Ludwig-Frank-Gymnasiums
- Dem Badischen Blinden- und Sehbehindertenverein V.m.K.

Neugierig geworden?
Die neue App gibt es kostenfrei im App Store – einfach nach Reiss-Engelhorn-Museen suchen.
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