
Geographies of Drought
In ihrer Langzeitdokumentation „Geographies of Drought” setzt sich die international erfolgreiche Fotografin Margaret Courtney-Clarke mit Dürre, sozialer Ungleichheit und menschlicher Resilienz in ihrem Heimatland Namibia auseinander. Ihre klaren, manchmal surrealen und oft berührenden Bilder sind noch bis Juli 2026 in ZEPHYR – Raum für Fotografie zu sehen.

Jakugberug Kavari, Kumbaza Xhao und ihre Kinder transportieren Wasser nach Hause
Omongwa-Salzpfanne, Aminuis, Region Omaheke
© Margaret Courtney-Clarke
„Meine fotografische Arbeit ist eng mit Namibia verbunden – dem Land meiner Herkunft. Dort habe ich das Privileg, dieselben Menschen und Regionen über viele Jahre hinweg immer wieder zu besuchen, ihre Entwicklungen zu begleiten, ihre Hoffnungen und Träume kennenzulernen und ihre Stärke zu bewundern, mit der sie trotz großer Herausforderungen bestehen: Landenteignung und Umsiedlung, wirtschaftliche Entbehrungen, Dürreperioden und ökologische Krisen.“ (Margaret Courtney-Clarke)
Namibia zählt zu den trockensten Regionen der Welt. Die 1949 dort geborene Fotografin Margaret Courtney-Clarke erlebte den ersten Regen ihrer Kindheit im Alter von sieben Jahren – ein prägendes Ereignis, das die existenzielle Bedeutung von Wasser und das dramatische Fehlen desselben tief in ihrer Biografie verankert hat. Entsprechend richtet sie auch in ihrer künstlerischen Arbeit den Blick auf die globale Klimakrise, die sich in Namibia besonders deutlich in einem lebensbedrohlichen Wassermangel manifestiert.
Die Abstände, in denen von Seite der namibischen Regierung aufgrund der Wasserknappheit Notstände ausgerufen werden müssen, werden immer kürzer. Nach 2013, 2016 und 2019 musste letztmalig im Mai 2024 wegen der schwersten Dürreperiode, die das Land seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor rund 130 Jahren durchleidet, der Ausnahmezustand ausgerufen werden.
Lebensbedrohlicher Wassermangel prägt den Alltag
In ihrer fotografischen Langzeitdokumentation „Geographies of Drought“ richtet Margaret Courtney-Clarke den Blick sowohl auf die kargen Landschaften der Namib- und Kalahari-Wüste als auch auf die tiefgreifenden sozialen und politischen Folgen extremer Trockenheit. Entstanden ist das Porträt eines Landes, in dem der lebensbedrohliche Wassermangel den Alltag prägt – sei es hinsichtlich der prekären Wohn- und Sanitärbedingungen oder der Verfügbarkeit grundlegender Ressourcen, allesamt massive Beeinträchtigungen, die der Bevölkerung ein hohes Maß an Resilienz und Erfindungsreichtum abverlangt.

Kandas Booi besitzt ein Solarmodul – unverzichtbar für das Aufladen ihres Mobiltelefons (das sie allerdings hauptsächlich als Taschenlampe benutzt).
Epukiro Pos-3, Region Omaheke
© Margaret Courtney-Clarke
Die chronische Wasserknappheit trägt auch maßgeblich dazu bei, dass Namibia trotz seiner reichen Bodenschätze von ausgeprägter sozialer Ungleichheit geprägt ist. Große Teile der Bevölkerung gelten als multidimensional arm: Sie verfügen über ein sehr geringes Einkommen und sind zugleich erheblichen Einschränkungen in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Lebensstandard ausgesetzt. Besonders lokale Gemeinschaften wie die San geraten dabei häufig zum Spielball politischer und wirtschaftlicher Interessen. Neben den historischen Ungerechtigkeiten, die sie erfahren haben, werden sie auch heute im Zuge der Vergabe von Bodenkonzessionen an globale Bergbaukonzerne und der Rohstoffgewinnung Opfer von Enteignungen und Umsiedlungen. Mittlerweile sind rund 85 % des gesamten Landes durch Bergbaukonzessionen vergeben und es ist davon auszugehen, dass milliardenschwere Investitionen globaler Konzerne beispiellose Entwicklungen ermöglichen – für einige wenige.
Ein Leben hinter Zäunen
Bis heute prägen in Namibia historische Besitzverhältnisse das politische System, überall gegenwärtig in einer streng geometrischen Aufteilung des Landes. Für viele Menschen und Tiere bedeutet das ein Leben hinter Zäunen: Sie werden von Weidegrenzen eingeengt, traditionelle Migrationswege werden unterbrochen und der Zugang zu Wasser bleibt oft verwehrt. Die Serie „Caged“ nimmt diese Realität in den Blick. Sie zeigt, wie Käfige, Zäune und andere Formen der Ein- und Abgrenzung – mal staatlich verordnet, mal aus reiner Notwendigkeit entstanden – den Umgang mit Tieren, Pflanzen und sogar meteorologischer Forschung im Land bestimmen.

Tagsüber sind die Katzen von Enkia Seonduru eine Bedrohung für ihre Küken. In der Nacht werden sie freigelassen,
um Mäuse zu jagen.
Axab-Pfanne, Region Omaheke
© Margaret Courtney-Clarke
Leidenschaftliche Verbindung zu Namibia und seinen Menschen
Die existenzielle Welt der Menschen, die Margaret Courtney-Clarke seit vielen Jahren immer wieder aufsucht und fotografiert, ist von Härte und Entbehrung geprägt. In dieser unwirtlichen und unbarmherzigen Umgebung ist das Leben fragil, Ressourcen sind knapp, und alles, was die Bewohnerinnen und Bewohner zum Überleben brauchen, muss mühsam dem kargen Terrain abgerungen werden. Doch jenseits dieser ökologischen und gesellschaftspolitischen Härten erzählt „Geographies of Drought“ vor allem von Courtney-Clarkes leidenschaftlicher Verbindung zu Namibias, seinen Menschen und ihrer tief empfundenen Zugehörigkeit zu den lokalen Gemeinschaften.
Ihre Fotografien zeigen eindrucksvoll, wie Traditionen und kulturelles Wissen den Alltag prägen und zugleich die stille Schönheit sowie die bemerkenswerte Widerstandskraft des menschlichen Geistes in der Gemeinschaft offenbaren. Alleine aus diesem Grund ist diese Langzeitdokumentation ein fortwährendes Projekt, dessen intrinsischer Motivation die Fotografin in ihrem künstlerischen Schaffen folgen wird:
„Ich möchte meinen Platz unter meinen Mitmenschen finden. Wenn ich mein Zuhause verlasse, folge ich dem Wind, dem Mond und den Wolken, die vielleicht Regen bringen oder auch nicht. Ich begegne meinen Freunden, deren Tage von den Elementen bestimmt werden. Die Berge und die Hügel, die mein Kompass sind, geben mir die Gewissheit, dass ich immer meinen Weg, dass ich Schatten und Zuflucht finden werde – wie so viele, die vor mir kamen.“
(Margaret Courtney-Clarke)
Die Ausstellung „Margaret Courtney-Clarke: Geographies of Drought” wird erstmals bei ZEPHYR – Raum für Fotografie präsentiert und läuft noch bis zum 5. Juli 2026. Sie ist der Gewinnerbeitrag des Open Call „Namibia – A Photographic View“, den die Reiss-Engelhorn-Museen gemeinsam mit der Abteilung für Kultur und Tourismus der Stadt Windhoek im Rahmen ihrer Projektpartnerschaft 2024 ausgerufen hatten. Im Anschluss an die Präsentation in Mannheim ist die Schau in der namibischen Hauptstadt zu sehen.

Selma Jacobs tanzt in der trockengefallenen Omongwa-Pfanne (einst ein Salzsee) einen traditionellen Regentanz der lokalen Gemeinschaft der San. Sie verfällt dabei in Trance, während die Frauen in die Hände klatschen und ihren veränderten Bewusstseinszustand besingen.
Aminuis, Region Omaheke
© Margaret Courtney-Clarke
Neugierig geworden?
Die Sonderausstellung „Margaret Courtney-Clarke: Geographies of Drought” ist noch bis 5. Juli 2026 in unserer Galerie ZEPHYR zu sehen.
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