
Strahlenglanz für Fronleichnam
An Fronleichnam hat ein Prachtstück aus unseren Sammlungen wieder seinen großen Auftritt: die Sonnenmonstranz des Augsburger Goldschmieds Johann Jakob Frings. Sie stammt aus dem 17. Jahrhundert und übernimmt bei der traditionellen Prozession eine wichtige Rolle.

In Mannheim wird das Fronleichnamsfest in aller Regel mit einem Gottesdienst und einer Prozession von der Jesuitenkirche zum Marktplatz begangen. Dabei wird in einem fast einen Meter hohen Schaugefäß die geweihte Hostie mitgeführt. Die Sonnenmonstranz stammt vom Augsburger Goldschmied Johann Jakob Frings (1665-1744) und ist aufwändig gestaltet. Sie wird als Dauerleihgabe der Jesuitenkirche in unseren Sammlungen verwahrt. Einmal im Jahr holen unsere Restauratorinnen das Meisterwerk aus der Vitrine und begleiten es zur nahegelegenen Kirche.
Zum Fest
Die meisten kirchlichen Hochfeste haben ihre Wurzeln in den vier Evangelien oder der Apostelgeschichte und sind bereits in der Zeit des frühen Christentums entstanden – ganz anders Fronleichnam. Schon der Name des Festes, der vom Mittelhochdeutschen vrone licham (des Herrn Leib) abzuleiten ist, deutet auf einen jüngeren Ursprung. Fronleichnam geht letztlich auf Visionen der seligen Juliana von Cornillon (um 1191/92 bis 1258) zurück, die sich auf das Allerheiligste Altarsakrament bezogen. Diese Gesichter waren der Nonne ein Fingerzeig, dass der Kirche ein Fest zur besonderen Verehrung des eucharistischen Sakraments fehle. Damit wandte sich Juliana an Bischof Robert von Lüttich, der daraufhin im Jahr 1246 erstmals in seiner Diözese ein Eucharistiefest begehen ließ.
Von dort verbreitete sich das Fest rasch in mehreren deutschen Diözesen, bis Papst Urban IV. (amt. 1261-1264) 1264 mit der Bulle „Transiturus de hoc mundo“ Fronleichnam als Hochfest für die gesamte Kirche verbindlich einführte. Seitdem sind die eucharistische Feier und das Bild der pilgernden Kirche – das Unterwegssein mit Christus bei der Prozession – wesentliche Bestandteile von Fronleichnam. Meist wird an vier Außenaltären eine Statio gehalten, bei der die vier Evangelienanfänge in Richtung der vier Himmelsrichtungen gesungen werden.
Zur Prozession
Die frühesten Erwähnungen einer Prozession zu Fronleichnam stammen aus Köln und gehen auf die Jahre 1274 bis 1279 zurück. Dabei trug man die geweihte Hostie wohl in eucharistischen Tauben, Pyxiden oder anderen Hostienbehältnissen mit. Um 1300 wurde jedoch das Bedürfnis immer stärker, den Leib des Herrn in Gestalt der Hostie allen sichtbar zu zeigen. Ausstellung und Elevation der Hostie verlangten nach Schaugefäßen.
Dies führte im 14. Jahrhundert zum Durchbruch der Monstranz. Die Bezeichnung leitet sich vom lateinischen Verb monstrare (zeigen) ab. Bei den Monstranzen handelt es sich um meist turmartige Schaugefäße aus wertvollen Metallen, in deren Zentrum sich eine durchsichtige Kapsel für das Allerheiligste befindet. Entsprechend ihrer Funktion und ihrem Rang wurden diese Behältnisse im Laufe der Jahrhunderte immer kunstfertiger, ohne an kostbarsten Materialien auch nur im Geringsten zu sparen.

Zur Sonnenmonstranz
Bei der in Mannheim an Fronleichnam eingesetzten Monstranz wird die Custodia für die geweihte Hostie von einer silbernen Laubwerkranke umgeben, die ihrerseits von einem vergoldeten Strahlenkranz hinterfangen wird. Aus einer gewissen Entfernung oder gar unter Einfluss von Sonnenlicht wirkt diese Aureole wie eine Sonne – daher ihr Name Sonnenmonstranz.


© rem, Foto: Maria Schumann
In der Nahsicht gibt es ein Bildprogramm zu entdecken, das auf die Funktion des liturgischen Schaugefäßes abgestimmt ist: Auf dem Fuß über geschweiftem Rand befinden sich zwei silberne Medaillons. Das rückwärtige Medaillon zeigt das Christusmonogramm IHS, das vorderseitige den Pelikan, der sich mit dem Schnabel die Brust aufreißt und mit dem Blut seine Jungen säugt. Dies ist ein Symbol der Auferstehung. Eingerahmt werden diese Treibarbeiten von Füllhörnern mit Ähren und Weinreben, die auf Fronleichnam als Hochfest des Leibes und Blutes Christi verweisen.
In einem Strahlenkranz unter der Custodia ist am Übergang von Schaft zu Aureole eine Maria Immaculata als Siegerin über die Sünde angebracht. Die Darstellung der Bundeslade, die zwei Engel halten, steht für das Allerheiligste des Alten Bundes.
Darüber befindet sich die runde Schaukapsel mit Lunula für die Exposition der geweihten Hostie. Sie wird von Blattranken, roten Steinen und einem eigenen Strahlenkranz eingefasst. Die Custodia kann über ein Türchen von hinten bestückt werden. Die Schaukapsel wird von einer Bügelkrone überfangen, die mit farbigen Steinen besetzt ist. Huldigende Engel zu Seiten der Krone scheinen zwei Laubwerkmedaillons mit links einem Bischof und rechts dem hl. Fridolin zu halten. Fridolin ist durch sein Attribut – das Totengerippe – zu identifizieren.

© rem, Foto: Maria Schumann
Nach oben hin schließt die Aureole mit einer Darstellung Gottvaters auf silbernen Wolken und darüber der Heilig-Geist-Taube ab. Wie bei barocken Monstranzen üblich, wird damit die Heilige Dreifaltigkeit vor Augen geführt, wobei Christus durch die geweihte Hostie vergegenwärtigt ist. Fronleichnam wird am Donnerstag nach dem Dreifaltigkeitssonntag begangen. Den obersten Abschluss der Monstranz bildet ein von Steinen besetztes Kreuz.
Aufgrund der Beschauzeichen auf dem Fuß und dem Strahlenkranz kann das Stück 1694 bis 1695 datiert werden. Damals gab es die Jesuitenkirche noch nicht. Auch aufgrund der Medaillons mit Bischof und Fridolin muss die Sonnenmonstranz ursprünglich für eine andere Kirche gedacht gewesen sein.

Neugierig geworden?
Erfahren Sie mehr über unsere reichen Kunst- und Kulturgeschichtlichen Sammlungen.
In einer Video-Reihe stellt Sammlungsleiterin Dr. Irmgard Siede sakrale Kunstschätze aus unseren Sammlungen vor – auch die Sonnenmonstranz darf natürlich nicht fehlen.
Zu den Videos


