
Zu Gast: Der Leica Oskar Barnack Award 2025
Noch bis 14. Juni können Sie bei uns preisgekrönte Fotografie bewundern. Der Leica Oskar Barnack Award 2025 ist zu Gast. Die Ausstellung präsentiert die beiden Gewinnerbeiträge sowie ausgewählte Positionen aus der Shortlist. Rund 50 Arbeiten zeigen in bewegenden Motiven gesellschaftlich relevante Themen und Tendenzen der zeitgenössischen Fotografie. Sie geben den Menschen hinter den Statistiken und Schlagzeilen eine Stimme.
Der Leica Oskar Barnack Award (LOBA) zählt seit 45 Jahren zu den international renommiertesten Auszeichnungen für zeitgenössische Fotografie. Benannt nach Oskar Barnack – dem Erfinder der 35-mm-Kleinbildkamera und Konstrukteur der Ur-Leica von 1914 – steht der Preis seit seiner ersten Verleihung 1980 für eine engagierte, humanistische Reportagefotografie. Sein Leitgedanke ist so einfach wie kraftvoll: die Beziehung des Menschen zu seiner Umwelt sichtbar zu machen – gesellschaftlich, politisch, ökologisch.

Alejandro Cegarra: The Two Walls
Den Hauptpreis des LOBA 2025 erhielt Alejandro Cegarra. In seiner eindringlichen Schwarz-Weiß-Serie „The Two Walls“ richtet der aus Venezuela stammende und in Mexiko lebende Fotograf den Blick auf die Situation von Migrantinnen und Migranten im mexikanischen Grenzgebiet zu den USA. Seine Bilder erzählen von Hoffnung, Entwurzelung und politischem Stillstand. Cegarra interessiert sich weniger für Schlagzeilen als für individuelle Geschichten – für Gesichter, Gesten und Momente der Verletzlichkeit. So entsteht eine visuelle Chronik, die Migration als zutiefst menschliche Erfahrung begreifbar macht.

Serghei Duve: Bright Memory
Der Newcomer Award für Fotografinnen und Fotografen unter 30 Jahre ging an Serghei Duve für seine Serie „Bright Memory“. In sehr persönlichen Aufnahmen setzt sich der in der Republik Moldau geborene, in Deutschland aufgewachsene Fotograf mit der Geschichte seiner Familie und ihrer Verbindung zu Transnistrien auseinander – einer international nicht anerkannten Region im postsowjetischen Raum. Zwischen Nostalgie, Identitätsfragen und geopolitischer Spannung entstehen Bilder von leiser Intensität. Duve verbindet dokumentarische Präzision mit poetischer Offenheit und zeigt, wie eng private Erinnerung und politische Realität verwoben sind.
Shortlist LOBA 2025
Auch die aktuellen Shortlist-Positionen greifen zentrale Herausforderungen unserer Zeit auf und machen deutlich, wie intensiv sich die Nominierten mit den drängenden Fragen unserer Gegenwart auseinandersetzen und auf diese Weise wichtige Impulse für eine differenzierte und kritische Auseinandersetzung mit dem Medium Fotografie setzen.

Die amerikanische Fotografin Lynsey Addario porträtiert in ihrer Serie „Mom, I Want to Live“ das Schicksal eines ukrainischen Mädchens, bei dem 2020 im Alter von zwei Jahren ein seltener Augenkrebs diagnostiziert wurde. Die eigentlich heilbare Krankheit konnte wegen des Krieges nicht weiter behandelt werden – eine Geschichte von Verletzlichkeit und unerschütterlicher Hoffnung.
In ihrem persönlichen Projekt „Beyond Numbers“ berichtet die Fotografin Arlette Bashizi über ihr Heimatland – die Demokratische Republik Kongo – und die Folgen des dortigen Kriegs zwischen Rebellen und der Armee. Sie dokumentiert das Leben ihrer Gemeinde in Nord-Kivu, wo seit 2021 Gewalt herrscht, und gibt den Vertriebenen jenseits anonymer Statistiken ein Gesicht und eine Geschichte.


Die Serie „Deluge“ des südafrikanischen Fotografen Gideon Mendel beleuchtet den globalen Klimanotstand auf eindringliche wie auch systematische Weise. Seit 2007 dokumentiert er Überschwemmungen – mittlerweile in 13 Ländern weltweit. Er zeigt mit Porträts von Betroffenen sowie abstrahierten Landschaften eine eindringliche visuelle Typologie der Klimakrise, die soziale und geografische Grenzen negiert und überschreitet.
Der chinesische Fotograf und Autodidakt Xiangjie Peng dokumentiert in seiner Langzeitdokumentation „The Rise of Queer Underground Party Culture in China“ seit 2017 die queere Underground-Partykultur in China – fragile Freiräume, in denen Identität, Gemeinschaft und Selbstbehauptung zusehends aufscheinen. Die Schwarz-Weiß-Serie entstand vor allem in Clubs, bei Partys und Wettbewerben, die trotz offizieller Beschränkungen für die LGBTQ+-Community zu einem wichtigen kulturellen Phänomen geworden sind.

Pop-up-Ausstellung in unseren Stiftungsmuseen
Nach der Premiere im vergangenen Jahr setzen ZEPHYR – Raum für Fotografie der Reiss-Engelhorn-Museen und die Leica Camera AG ihre Kooperation fort. Vom 14. April bis 14. Juni 2026 ist die Ausstellung „Zu Gast: Der Leica Oskar Barnack Award in den Reiss-Engelhorn-Museen“ im Atrium der rem-Stiftungsmuseen in C4,12 zu sehen.
Die Pop-Up-Ausstellung zeigt dabei, wofür der Leica Oskar Barnack Award seit 1980 steht: für Fotografie mit Haltung und als eine visuelle Sprache, die gesellschaftsrelevante Themen immer wieder neu verhandelt und Fragen aufwirft.
Neugierig geworden?
Die Pop-up-Ausstellung „Zu Gast: Der Leica Oskar Barnack Award in den Reiss-Engelhorn-Museen” ist noch bis 14. Juni 2026 in unseren Stiftungsmuseen in C4,12 zu sehen.
Mehr zur Ausstellung
Am 6. Mai gewährt ZEPHYR-Leiterin Stephanie Herrmann im Rahmen von Mittagspausen-Führungen besondere Einblicke in die Schau. Die halbstündigen Rundgänge starten um 12:30 und 13 Uhr.
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